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Paläo-Polonaise

Donnerstag, 9. Oktober 2008, 20:00 • Rubrik Paläontologie.

2 Bilder zeigen Ausschnitt aus einer der Ketten mit ineinander geschobenen Tieren sowie ein einzelnes Tier, das gut die Gliederung in Kopf-Rumpf und Hinterleib erkennen lässt Wenn die Raupen des Prozessionsspinners auf Wanderschaft gehen, tun sie das in den namensgebenden Ketten. Ein ganz ähnliches Phänomen haben chinesische und englische Forscher in 525 Millionen Jahre altem Gestein entdeckt. Darin erhalten sind lange Ketten kleiner Gliederfüßer, die scheinbar erstaunlich fest mit einander verbunden waren.

Das einzige isoliert gefundene Exemplar (unten) und 2 ineinander geschobene Individuen aus einer der Ketten (oben). Größenmaßstäbe: 1 mm. Bilder: Copyright Science/AAAS

Obgleich die Ketten bzw. Einzeltiere teils verdreht, gestreckt oder ineinander geschoben sind, ist der Kontakt unter den Tieren nicht abgerissen, berichten die Forscher um Xian-Guang Hou von der Yunnan University und seine Kollegen im Magazin “Science”. Kettenförmige Gruppen würden zwar auch bei Raupen und Langusten beobachtet. Aufgrund der festen Verbindungen belegten die fossilen Exemplare jedoch ein unter Gliederfüßern einzigartiges Verhalten.

Hou und Kollegen fanden insgesamt 22 Ketten, bestehend aus 2 bis 22 Tieren, in Gestein aus der Chengjiang-Lagerstätte in der südchinesischen Provinz Yunnan. Das Gebiet ist berühmt für seine Fossilien aus der Frühzeit des Kambriums, jener Periode der Erdgeschichte, in der plötzlich Tiere mit stabilen, gut konservierbaren Körperstrukturen auftauchen. In diesem Fall stammen die Fossilien von etwa 2 Zentimeter langen krebsartigen Gliederfüßern, von denen außer dem Rückenpanzer und dem Hinterleib samt paddelförmigem Endsegment allerdings keine weiteren Strukturen erkennbar sind.

Die Forscher vermuten, dass die Tiere kurz vor ihrem Tod nicht etwa über den Meeresboden liefen, sondern im Wasser schwimmende Ketten bildeten. Gemessen an ihrer Deformation, müssen die Ketten dann jedoch im relativ steilen Winkel auf den Meeresboden getroffen sein. Die Ursache für den plötzlichen Massentod ist ebenso unbekannt wie der Nutzen der langen Aggregate. Hou und Kollegen spekulieren, dass sie einen gewissen Schutz vor Fressfeinden vermittelten. Eine Funktion bei der Fortpflanzung oder Nahrungssuche halten die Forscher für wenig wahrscheinlich.

Forschung: Xian-Guang Hou, Yunnan Key Laboratory for Palaeobiology, Yunnan University, Kunming; Derek J. Siveter, University Museum und Department of Earth Sciences, University of Oxford; Richard J. Aldridge und David J. Siveter, Department of Geology, University of Leicester

Veröffentlichung Science, Vol. 322, 10. Oktober 2008, p 224, DOI 10.1126/science.1162794

WWW:
Yunnan University
Palaeobiology Group, University of Leicester
Chengjiang Fossils
The Cambrian Period

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