Desinfektionsmittel begünstigen Antibiotikaresistenzen
7. Oktober 2008 12:24 Drucken
Mit Desinfektionsmitteln konfrontiert, können Bakterien eine größere Toleranz gegenüber Antibiotika entwickeln. Diese Ansicht bekräftigen Experimente amerikanischer und französischer Forscher. Grund für den Effekt ist die verstärkte Bildung von Transportproteinen, die eine Vielzahl von Substanzen aus der Bakterienzelle pumpen – darunter auch einige medizinische Wirkstoffe.
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen als “Problemkeime” gefürchtet. Bild: CDC/Janice Carr, Jeff Hageman
Der Effekt stellt sich bereits nach einer einzigen Konfrontation ein, berichten Glenn Kaatz vom Veterans Affairs Medical Center in Detroit und seine Kollegen. Für ihre Studie hatten sie Staphylococcus aureus aus Patientenblut isoliert. Zu den Kulturen gaben sie dann geringe Dosen verschiedener Wirkstoffe, die als Mikrobizide in Putzmitteln, zur Sterilisierung medizinischer Instrumente, zur Hautdesinfektion vor Eingriffen, in der Tierhaltung und als Farbstoffe in Laboratorien eingesetzt werden.
Die evolutionäre Reaktion folgte prompt, berichten die Forscher im Fachblatt “Microbiology”. In den Kulturen traten verstärkt Staphylokokken auf, die weniger empfindlich auf die Wirkstoffe reagierten. Grund dafür waren in vielen Fällen Mutationen in Genen, die die Bauanleitungen für Multiresistenz-Proteine darstellen. Als Folge bauten die Mutanten diese Transportproteine vermehrt in ihre Zellwand ein und konnten die Wirkstoffe leichter wieder in die Umgebung befördern, bevor diese Schaden im Zellinneren anrichteten.
Dieses Resultat sei umso bedenklicher, als die Exportproteine auch eine Reihe von Antibiotika, etwa aus der Gruppe der Fluorchinolone, als unerwünschte Verbindungen erkennen, erläutert Kaatz. “Daher stellen Bakterien mit mehr Pumpproteinen eine Bedrohung für Patienten dar, weil sie eine ausgeprägtere Resistenz gegen Medikamente entwickeln können.” Die neuen Resultate bekräftigten die Ansicht, dass “herkömmliche” Bakterizide ebenso sorgfältig eingesetzt werden müssten wie Antibiotika, um entsprechenden Resistenzen vorzubeugen.
Forschung: Aurélie A. Huet, Jose L. Raygada und Glenn W. Kaatz, Department of Veterans Affairs Dingell Medical Center, und Division of Infectious Diseases, Wayne State University, Detroit, Michigan, und École Supérieure de Microbiologie et Sécurité Alimentaire de Brest, Université de Bretagne Occidentale, Plouzané; und andere
Veröffentlichung Microbiology, Vol. 154, pp 3144-53, DOI 10.1099/mic.0.2008/021188-0
WWW:
Dingell Veterans Affairs Medical Center, Detroit
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