Antreiberinnen lenken Bienenschwärme

3. Oktober 2008 06:15 Drucken

Foto zeigt einen Forscher mit Messstab in einer Wiese, darüber ein blauer Sommerhimmel mit zahlreichen dunklen, sich offenbar rasch bewegenden Punkten Wenn ein Bienenschwarm in eine neue Behausung zieht, ist deren Lage zunächst nur einigen wenigen Kundschafterinnen bekannt. Wie diese Tiere ihre unwissenden Artgenossinen in das neue Heim lotsen, haben amerikanische Forscher jetzt im Detail studiert. Die Kundschafterinnen fliegen demnach immer wieder mit hoher Geschwindigkeit durch den Schwarm und “peitschen” ihn so in die richtige Richtung.

Foto: Courtesy of Kevin Schultz

Am vorderen Rand des Schwarms angelangt, suchen die Antreiberinnen wieder dessen Hinterende auf und wiederholen ihr Manöver, schreiben Kevin Schultz von der Ohio State University und seine Kollegen im “Journal of Experimental Biology”. Eine andere Hypothese, der zufolge die Kundschafterinnen unauffällig im Schwarm fliegen, dabei jedoch stur die Richtung beibehalten, sei mit den neuen Daten nicht vereinbar.

In guten Jahren kann ein Bienenvolk noch im Frühjahr auf mehrere Zehntausend Tiere angewachsen. In solchen Fällen sorgt die Königin zunächst für potenzielle Nachfolgerinnen und verlässt dann mit einem Teil ihrer Untertanen die alte Behausung. Nach und nach erkunden einige Hundert Arbeiterinnen die Umgebung. Ist geeigneter Platz für ein neues Zuhause gefunden, typischerweise eine Baumhöhle, setzt sich der ganze Schwarm dorthin in Bewegung.

Die Forscher nutzten einen raffinierten Trick, um solche Schwarm-Umzüge im Detail zu studieren: Sie brachten Bienenschwärme auf eine praktisch baumlose Insel im Golf von Maine, auf der sie eine künstliche Nisthöhle angelegt hatten. Tatsächlich flogen alle ausgesetzten Schwärme früher oder später zu dieser Höhle – und auf dem direkten Wege dorthin über eine zum Himmel gerichtete, hochauflösende Videokamera.

Die mühselige Analyse der Aufnahmen lieferte Daten über Flugrichtung und -geschwindigkeit Tausender Individuen. Demnach fliegen die meisten Bienen im Schwarm wild durcheinander, während sich dieser als Ganzes in eine bestimmte Richtung bewegt. Lediglich eine kleine Fraktion, die sich insbesondere in den oberen Etagen des Schwarms findet, hält direkten Kurs auf die neue Unterkunft, berichten Schultz und Kollegen. Und eben diese Tiere fliegen deutlich schneller als ihre Kolleginnen. Würde dagegen die alternative Hypothese von der subtilen Steuerung zutreffen, sollten sich keine Geschwindigkeitsunterschiede zeigen.

Forschung: Kevin M. Schultz und Kevin M. Passino, Department of Electrical and Computer Engineering, Ohio State University, Columbus; Thomas D. Seeley, Department of Neurobiology and Behavior, Cornell University, Ithaca, New York

Veröffentlichung Journal of Experimental Biology, Vol. 211, pp 3287-95, DOI 10.1242/jeb.018994

WWW:
Passino Lab, Ohio State University
Biologie der Honigbiene
Schwarmtrieb
Swarm Music, Tim Blackwell

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