Wanderer verschleppen Samen
Mittwoch, 1. Oktober 2008, 1:01 • Rubrik Biologie.
Der Mensch könnte die Verbreitung von Pflanzensamen stärker begünstigen als gemeinhin angenommen. Diesen Schluss legen Experimente nahe, die Biologen in England durchgeführt haben. Unter den Schuhsohlen von Wanderern haftend, können Samen von Kohlpflanzen mehrere Kilometer weit verfrachtet werden – um ein Vielfaches weiter als mit dem Wind.
Foto: Iztok Grilc /iStockphoto
Zwar fällt der Großteil der aufgelesenen Samen rasch wieder von der Sohle ab, ermittelten die Forscher um Matthias Wichmann und James Bullock vom Centre for Ecology and Hydrology in Wallingford. Besonders hartnäckige Exemplare können jedoch über 5 Kilometer und mehr verschleppt werden, berichtet die Gruppe in den “Proceedings of the Royal Society B”. Konkrete Daten zu solchen Vorgängen seien vor allem für den Naturschutz bedeutsam – beispielsweise, wenn es um die Wiederbesiedlung einer Fläche oder den Erhalt fragmentierter Populationen gehe.
Die Forscher nahmen den Transport “per pedes” mit einer Reihe hilfsbereiter Kollegen unter die Lupe. Mit Wanderschuhen oder Gummistiefeln angetan, traten diese in eine Schale mit leicht angefeuchtetem Erdreich und dann in eine Schale mit abgezählten, leuchtend violett gefärbten Kohlsamen. Nachdem die Versuchswanderer unterschiedlich lange Strecken auf englischem Rasen zurückgelegt hatten, wurden ihre Schuhe eingehend gemustert. Es zeigte sich, dass in einigen Fällen auch nach 5 Kilometern Laufstrecke noch ein Fünftel der anfänglich aufgenommenen Samen an den Sohlen haftete.
Dagegen trägt der Wind Kohlsamen typischerweise nur einige Meter weit, ergaben weitere Experimente. Dies genüge jedoch, um Pflanzen am Wegrand ein großes Verbreitungspotenzial zu eröffnen, schreiben Wichmann, Bullock und Kollegen. Zu diesem Resultat passten Beobachtungen an einem Wanderweg an der englischen Küste. Dort sei eine der untersuchten Kohlarten umso häufiger anzutreffen, je stärker die jeweilige Region von Touristen frequentiert werde.
Forschung: Matthias C. Wichmann und James M. Bullock, Centre for Ecology and Hydrology, Wallingford; Marc Niggemann, Naturschutzbiologie, Fachbereich Biologie der Philipps-Universität Marburg; und andere
Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 1. Oktober 2008, DOI 10.1098/rspb.2008.1131
WWW:
Centre for Ecology and Hydrology
Kohl
Blowing in the Wind
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