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Gewissenhafter Imitator im Kopf

18. September 2008 13:52

Fotos einer freien Hand und zweier Hände, bei denen unterschiedliche Finger mit Metallklammern fixiert sind, ein Diagramm zeigt die unterschiedlichen Reaktionszeiten Menschen ahmen “im Geiste” laufend die Handlungen anderer nach, um deren Tun verstehen zu können. Wie gründlich dieser Imitator im Kopf arbeitet, belegen Experimente einer deutsch-belgischen Forschergruppe. Sahen ihre Versuchteilnehmer Fotos einer Hand mit bewegungsunfähigen Fingern, erfolgten ihre eigenen Fingerbewegungen merklich verzögert.

Bilder: MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften

Ein grundsätzlich ähnliches Phänomen könne man beobachten, wenn Menschen im Verlauf einer Unterhaltung die gleiche Körperhaltung einnähmen, erläutert Roman Liepelt vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. “Dieser Chamäleoneffekt ist so interessant für uns, weil er einen Zusammenhang zwischen beobachteten Bewegungen und dem motorischen System des Beobachters nahelegt.”

Liepelt und Kollegen gingen nun der Frage nach, ob der Imitator im Kopf auch die Begleitumstände berücksichtigt. Dazu zeigten sie ihren Probanden Fotos von Händen, bei denen einzelne Finger mit Metallklammern an der Unterlage fixiert waren, und forderten sie dann auf, den eigenen Zeige- oder Mittelfinger zu bewegen. War der Finger auch im Bild fixiert, erhöhte das die Reaktionszeit der Probanden um einige Millisekunden, berichtet die Gruppe im Fachblatt “Neuropsychologia”. Die Bewegung eines im Bild freien Fingers oder der Zehen gelang dagegen ohne Verzögerung.

Die Forscher konnten den Effekt zu jenem Teil des motorischen Systems zurückverfolgen, in dem auch die Spiegelneuronen vermutet werden - eben jene Nervenzellen, die beim passiven Beobachten einer Bewegung auf ähnliche Weise feuern wie beim aktiven Ausführen der Bewegung. Sahen die Probanden fixierte Finger, fiel die elektrische Reaktion in diesem Teil des Hirns schwächer aus.

Forschung: Roman Liepelt und Marcel Brass, Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig, und Vakgroep Experimentele psychologie, Universiteit Gent; und andere

Veröffentlichung Neuropsychologia, DOI 10.1016/j.neuropsychologia.2008.07.008

WWW:
MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig
Experimentele psychologie, Universiteit Gent
The Mind’s Mirror

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