Posted in: Biologie, Psychologie, Sexualität 17. September 2008 01:01 Weiter lesen →

Kernige Typen im Hormonrausch

Je markanter das Gesicht eines Mannes ist, desto reaktionsfreudiger ist sein Hormonspiegel. Zu diesem Schluss kommen englische Psychologen nach einem Versuch mit 57 Teilnehmern. Deren Testosteronspiegel stieg nach dem Gewinn einer Wette umso stärker an, je männlicher ihre Gesichtsproportionen waren.

Die neuen Resultate belegten erstmals, dass auch beim Menschen ein Zusammenhang zwischen dem Spiegel des männlichen Geschlechtshormons und den Gesichtszügen bestehe, schreiben die Forscher um Nicholas Pound von der Brunel University in den „Proceedings of the Royal Society B“. Allerdings schienen es eher die Testosteronschübe zu sein, und nicht etwa der mittlere Spiegel des Hormons, die einen auf Wettbewerb bedachten Mann kennzeichneten – vermittelt durch das geschlechtsspezifische Wachstum der Gesichtsknochen durchaus auch im wörtlichen Sinne.

Pound und Kollegen gaben ihren Versuchsteilnehmern detaillierte Information über zwei Sumo-Ringer, anhand derer der Sieger des folgenden Ringkampfes vorhergesagt werden sollte. Plangemäß wurden 47 Teilnehmer in ihrer Einschätzung bestätigt. Bei diesen „Gewinnern“ stieg die Testosteronkonzentration im Speichel um durchschnittlich 15 Prozent, während sich bei den „Verlierern“ keine merkliche Änderung zeigte.

Der Anstieg war umso stärker, je „länger“ das Gesicht der Teilnehmer war, je stärker ihre Wangenknochen seitlich abstanden und je maskuliner drei weitere Gesichtsproportionen bei ihnen ausgeprägt waren. Ein Zusammenhang zwischen dem Testosteronspiegel vor der Sumo-Wette und den Gesichtszügen war dagegen nicht nachweisbar.

Überraschenderweise ließ der Testosteronspiegel auch keine Aussagen darüber zu, als wie maskulin oder dominant die Teilnehmer von 101 Frauen und Männern eingeschätzt wurden. Bei einigen früheren Arbeiten war sehr wohl ein solcher Zusammenhang beobachtet worden. In diesen Fällen sei allerdings nicht berücksichtigt worden, dass schon winzige Verletzungen der Mundschleimhaut die Testosteronkonzentration im Speichel verfälschen könnten, so Pound und Kollegen. Ein weiterer denkbarer Störfaktor sei, dass die Befragten keinen klaren Unterschied zwischen „maskulin“ und „attraktiv“ gemacht hätten.

Forschung: Nicholas Pound, Department of Psychology, Brunel University, Uxbridge; Ian S. Penton-Voak, Department of Experimental Psychology, University of Bristol, Bristol; Alison K. Surridge, School of Biological Sciences, University of East Anglia, Norwich

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 17. September 2008, DOI 10.1098/rspb.2008.0990

WWW:
Evolution & Behaviour Group, Brunel University
Testosterone

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