Fische sehen Rot
16. September 2008 07:49 Drucken
Obgleich das Meerwasser langwelliges Licht schluckt, gibt es auch in größeren Tiefen noch reichlich Rot zu sehen. Das belegen Untersuchungen, die Tübinger Forscher gemeinsam mit Kollegen aus Österreich und Australien angestellt haben. Viele Fische und wirbellose Meeresbewohner produzieren demnach ein rötliches Glimmen.
Durch einen Rotfilter betrachtet, erweist sich dieser Dreiflossenschleimfisch (Enneapterygius pusillus) als durchaus leuchtkräftig. Foto: Michiels et al., BMC Ecology 2008
Der Effekt kommt zustande, indem die Tiere kurzwellige, blaugrüne Anteile des Tageslichts absorbieren und die Energie im langwelligen, rötlichen Bereich wieder abstrahlen. Vermutlich können derart fluoreszierende Fische ihr rotes Leuchten wahrnehmen und nutzen es für die Kurzstrecken-Kommunikation mit Partnern bzw. Artgenossen, schreiben die Forscher um Nico Michiels von der Universität Tübingen im Fachblatt “BMC Ecology”.
Bislang gingen Meeresbiologen davon aus, dass die Farbe Rot in Wassertiefen von mehr als 10 Metern keine Rolle mehr spielt. Michiels und Kollegen machten die Probe aufs Exempel und versahen Tauchermasken und Kameras mit Filtern, die lediglich rotes Licht jenseits von 600 Nanometern Wellenlänge passieren lassen. Mit dieser Ausrüstung gingen die Forscher im Roten Meer und im Großen Barriereriff auf Tauchstation – und erlebten eine Überraschung: Durch die Filter betrachtet, waren viele Fische, Korallen, Borstenwürmer, Schwämme, Stachelhäuter und Algen nicht etwa dunkle, sondern durchaus leuchtkräftige Objekte.
Bei nicht weniger als 32 tagaktiven Fischarten aus verschiedenen Familien konnten die Forscher vielfältige rote Fluoreszenzmuster beobachten, nicht jedoch bei nachtaktiven Arten. Ursprung des Glimmens waren häufig Guaninkristalle, die – mikroskopisch kleinen Spiegeln gleich – auch das silbrige Schimmern der Tiere bewirken. Offenbar ist ein Teil dieser Kristalle bei manchen Fischarten mit Pigmenten imprägniert, die selbst nach jahrelanger Aufbewahrung in Alkohol oder Formaldehyd noch fluoreszieren.
Zumindest im Falle einer Grundel (Eviota pellucida) liegt das rote Glimmen in einem Wellenlängenbereich, in dem die Farbrezeptoren in der Netzhaut noch ansprechen, fanden Michiels und Kollegen. Welche Bedeutung der Fluoreszenz zukomme, müsse nun eingehender untersucht werden, schließen die Forscher: “Ganz offenbar ist ein Mangel an einfallendem Rotlicht kein Grund, kein Rot mehr zu sehen. Damit eröffnet sich der Lichtökologie im Riff eine neue, faszinierende Dimension.”
Forschung: Nico K. Michiels, Nils Anthes und Matthias F. Wucherer, Lehrstuhl Evolutionsökologie der Tiere, Biologische Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen; und andere
Veröffentlichung BMC Ecology, 16. September 2008
WWW:
Animal Evolutionary Ecology, Uni Tübingen
Fluoreszenz
Fish Skin Makes Fish Shiny
BMC Ecology
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