Posted in: Paläontologie 12. September 2008 10:21 Weiter lesen →

Eine Frage des Hüftschwungs

Grafik zeigt die vermutliche Walentwicklung von Georgiacetus mit spitzem Schwanz und beinahe ebenso langen Hinterbeinen mit Schwimmhäuten bis zum modernen Pottwal ohne Hinterbeine mit breiter Fluke Wenn Wale abtauchen, ragt noch einmal ihre breite Schwanzflosse in die Luft. Erstaunliche Einsichten in die Entwicklung dieser Visitenkarte liefern neue Fossilien, die ein amerikanischer Paläontologe untersucht hat. Auf dem Weg zur Fluke dürfte der richtige Hüftschwung demnach eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.

Die Fluke scheint allmählich die Paddel-Funktion der Hinterbeine übernommen zu haben. Grafik: Mary Parrish, Smithsonian Institution

Die Wale sind aus vierbeinigen Landbewohnern hervorgegangen, die ihr Leben nach und nach vollständig in das Wasser verlegten. „Wir wissen, dass bereits einige der späteren Walahnen eine Fluke hatten“, erläutert Mark Uhen vom Alabama Museum of Natural History. „Wann diese Fluke erstmals auftauchte, war jedoch unklar. Jetzt wissen wir es.“

Im „Journal of Vertebrate Paleontology“ beschreibt der Forscher neue Fossilien, die in Alabama und Mississippi entdeckt worden waren. Im Süden der USA gelegen, waren zumindest Teile der Bundesstaaten im Eozän vor rund 40 Millionen Jahren vom Golf von Mexiko bedeckt. Reichhaltige Fossilienfundstätten künden von der damaligen Meeresfauna, darunter mit Georgiacetus vogtlensis auch ein Urwal.

Zwar ist die Art der Wissenschaft seit gut zehn Jahren bekannt. Die neuen Funde beinhalten jedoch bislang unbekannte Knochen aus der Schwanzwirbelsäule, berichtet Uhen. Die Form dieser Knochen lasse darauf schließen, dass „Vogtles Wal aus Georgia“ noch keine Fluke besaß. Im Gegenzug dürften die Tiere relativ lange Hinterbeine mit großen, flächigen Füßen gehabt haben, so der Forscher.

Uhen folgert, dass die lang gestreckten Beine bei den Tieren als „Schwanzflosse“ fungierten und dass der nötige Antrieb aus einer seitlichen Bewegung der Hüfte kam. In der vermuteten Entwicklungslinie vom Paddeln mit allen Vieren – ähnlich heutigen Hunden – bis hin zum Auf- und Abschlagen der Fluke sei dieses Stadium bislang nicht berücksichtigt worden, so der Forscher. Die neuen Resultate belegten jedoch, „dass die Schlängelbewegung der Hüfte ein wichtiger Schritt in der Evolution des Unterwasserschwimmens der Wale war“.

Forschung: Mark D. Uhen, Alabama Museum of Natural History, Tuscaloosa, und National Museum of Natural History, Smithsonian Institution, Washington, D.C.

Veröffentlichung Journal of Vertebrate Paleontology, Vol. 28(3)

WWW:
Alabama Museum of Natural History
Paleobiology, Smithsonian Institution
Archaeocete.org, Mark Uhen
The Vogtle Whale
Wale.info

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