Posted in: Biologie, Psychologie, Sexualität, Soziales 11. September 2008 01:00 Weiter lesen →

Unsichere Verhältnisse, frühere Pubertät

Mädchen in Scheidungsfamilien erreichen die Geschlechtsreife schneller als solche, deren Eltern noch zusammenleben. Die Ab- bzw. Anwesenheit des leiblichen Vaters trägt zu diesem Unterschied bei, glaubt ein neuseeländisch-amerikanisches Forscherduo nachweisen zu können. Je jünger die Kinder zum Zeitpunkt der Scheidung sind, desto rascher kommen sie demnach in die Pubertät.

Der Einfluss der Scheidung auf den Pubertätsbeginn sei zwar seit langem bekannt, erläutert Bruce Ellis von der University of Arizona. Bislang habe man allerdings nicht ausschließen können, dass er letztlich auf Faktoren wie die finanzielle Lage der Familie oder gar auf genetische Einflüsse zurückgehe. Die neue Studie erlaube es erstmals, diese Faktoren auszuschließen.

Ellis und seine Doktorandin Jacqueline Tither an der University of Canterbury befragten für ihre Studie die Angehörigen von 90 intakten und von 70 Scheidungsfamilien. Neben dem Zeitpunkt der ersten Regelblutung der Töchter interessierten sie sich besonders dafür, wie liebevoll sich Mutter und Vater um die Mädchen gekümmert hatten. Ihre Resultate und Schlussfolgerungen präsentieren sie im Fachblatt „Developmental Psychology“.

„Wir schauten uns beispielsweise Familien an, in denen eine Tochter zum Zeitpunkt der Scheidung 5 Jahre alt war, die andere dagegen 12“, so Ellis. „Die jüngere Tochter lebte also 7 Jahre länger in einer Familie ohne Vater als ihre ältere Schwester.“ Je größer dieser Unterschied und je problematischer das Verhalten des Vaters gewesen sei, umso eher sei die jüngere Tochter schließlich in die Pubertät gekommen. Der Effekt habe bis zu 1 Jahr ausgemacht und gehe vielleicht auf eine Art Stressreaktion des Körpers zurück, der seine Reifung angesichts unsicherer Verhältnisse beschleunige.

Forschung: Jacqueline Tither, Department of Psychology, Canterbury University, Christchurch, und Bruce J. Ellis, School of Family and Consumer Sciences, University of Arizona, Tucson

Veröffentlichung Developmental Psychology, Vol. 44(5), September 2008

WWW:
Bruce Ellis, University of Arizona
Psychology, University of Canterbury

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Forscher: Familiäres Umfeld beeinflusst Pubertät
Väter bremsen Reifung der Töchter

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