Gefundenes Fressen für Spinnenweibchen

11. September 2008 13:32 Drucken

Foto zeigt eine grau-bräunliche Spinne, die einen deutlich kleineren Artgenossen gepackt hat Spinnenmännchen bezahlen den Geschlechtsakt nicht selten mit dem Leben. Warum das so ist, glauben zwei amerikanische Biologen erklären zu können. Ihrer Untersuchung zufolge, endet ein Männchen umso eher als Mahlzeit für das Weibchen, je kleiner es im Vergleich zu diesem ist. Die Schlussfolgerung: Die Weibchen fressen die Männchen, weil sie es können.

Unglück im Glück – kleine Wolfspinnenmännchen enden häufig als Hochzeitsschmaus. Foto: Shawn M. Wilder

Um die Häufigkeit des Kannibalismus bei den verschiedensten Spinnenarten zu verstehen, braucht es keine Abwägung von Kalorienaufwand der Weibchen und biologischem Nutzen der Männchen, glauben Shawn Wilder und Ann Rypstra von der Miami University im US-Bundesstaat Ohio. Die entscheidende Frage sei vielmehr, ob sich einem Raubtier eine günstige Gelegenheit biete oder nicht, schreiben die Forscher im Fachblatt “American Naturalist”.

Wilder hatte beobachtet, dass bei einer Wolfspinnenart (Hogna helluo) relativ große Männchen so gut wie nie bei der Paarung gefressen werden, relativ kleine Geschlechtsgenossen dagegen in vier von fünf Fällen. Eine Durchsicht der Fachliteratur ergab, dass bei den meisten untersuchten Spinnenarten der gleiche Zusammenhang gilt.

Damit übereinstimmende Resultate lieferte die Betrachtung aus einer weiteren Perspektive: Auf allen Ästen des Spinnen-Stammbaums ist der Kannibalismus demnach umso häufiger, je ausgeprägter der Größenunterschied zwischen den Geschlechtern ist. “Für uns war es eine Überraschung, dass ein derart einfaches Merkmal einen derart großen Effekt hat”, erklärt Wilder.

Forschung: Shawn M. Wilder und Ann L. Rypstra, Center for Animal Behavior und Department of Zoology, Miami University, Oxford, Ohio

Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 172(3), pp 431-40, DOI 10.1086/589518

WWW:
Spider Lab, Ann Rypstra
Spinnen für Einsteiger

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