Bärtierchen brauchen keinen Raumanzug
8. September 2008 18:00 Drucken
Haben Bärtierchen sich erst einmal auf schlechte Zeiten eingestellt, kann ihnen auch das Vakuum des Weltalls nichts anhaben. Das belegen Experimente, die schwedische und deutsche Forscher angestellt haben. Einige ihrer wirbellosen Probanden überstanden sogar die energiereiche Strahlung, der sie während eines mehrtägigen Raumfluges ausgesetzt waren.
Im Erdulden von Trockenheit geübt, haben Bärtierchen nur wenige Probleme mit dem Vakuum des Weltraums. Bild: Marie Lemloh und Karl-Heinz Hellmer
Zwar sind Bärtierchen für ihre Widerstandskraft bekannt. Wie sie selbst härteste UV-Strahlung mit Energiedosen von mehr als 7.000 Kilojoule pro Quadratmeter überstehen könnten, sei jedoch rätselhaft, schreiben die Forscher um Ingemar Jönsson von der Hochschule Kristiansand und Ralph Schill von der Universität Stuttgart im Fachblatt “Current Biology”. Eine ähnliche Hartnäckigkeit sei zuvor lediglich bei Bakterien und Flechten beobachtet worden.
Die maximal stecknadelkopfgroßen Bärtierchen leben im Wasser und in feuchten Lebensräumen an Land, etwa zwischen Moosblättchen. Auf schlechte Umweltbedingungen reagieren sie, indem sie ihren Stoffwechsel einstellen und sich austrocknen lassen. Derartige “Tönnchen” sowie Eier zweier Arten (Milnesium tardigradum und Richtersius coronifer) schickten Jönsson, Schill und Kollegen mit einer europäischen Forschungsrakete für zehn Tage in eine niedrige Erdumlaufbahn. Nach der Rückkehr der kleinen Raumfahrer wässerten sie diese und verfolgten das weitere Geschehen.
Lediglich dem Vakuum des Weltalls ausgesetzt, erholten sich die Tiere ebenso gut wie Artgenossen, die die Zeit als Tönnchen im Labor verbracht hatten. Anders die Verhältnisse, wenn sie zusätzlich ungefilterter UV-Strahlung von der Sonne und aus dem All ausgesetzt gewesen waren. In diesen Proben erwachten lediglich 2 Prozent der Tiere einer Art (M. tardigradus) zu neuem Leben. UV-Licht mit mehr als 280 Nanometern Wellenlänge ausgesetzt, bekrabbelte sich immerhin gut ein Sechstel der Tiere wieder – und sorgte für augenscheinlich völlig normalen Nachwuchs.
Aus weiteren Untersuchungen der kleinen Überlebenskünstler erhofft sich Schill “spannende Erkenntnisse darüber, wie Tiere ihre Zellen und Zellbestandteile schützen und auch reparieren”. Dieses Wissen könnte vielleicht Anwendung in Medizin und Biotechnologie finden.
Forschung: K. Ingemar Jönsson, Institutionen för matematik och naturvetenskap, Högskolan Kristianstad, Kristianstad; Elke Rabbow, Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Köln; Ralph O. Schill, Biologisches Institut der Universität Stuttgart; und andere
Veröffentlichung Current Biology, Vol. 18(17). 9. September 2008
WWW:
Tardigrades In Space, Ingemar Jönsson
FUNCRYPTA
Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin, DLR
Tardigrades
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Bärige Astronauten


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