Luxusleben im Labor
5. September 2008 19:04 Drucken
Aus praktischen Gründen führen Biologen ihre Untersuchungen gerne mit schnelllebigen Tieren durch, die sich ohne großen Aufwand im Labor halten und vermehren lassen. Solche Laborpopulationen können jedoch ein falsches Bild von den Verhältnissen in der Natur liefern, demonstriert ein Experiment australischer Biologen. Befreit von Hunger, Parasiten und Fressfeinden, altern Fliegen im Labor völlig anders als in der freien Wildbahn.
Die stelzenbeinigen FLiegen der Art Telostylinus angusticollis, hier ein Weibchen, bieten genügend Platz für eine individuelle Markierung. Foto: Noriyoshi Kawasaki
Männliche Fliegen alterten im Freien gut doppelt so schnell wie im Labor, fanden Russell Bonduriansky von der University of New South Wales und seine Kollegen. Gemessen an ihrer konstanten Sterblichkeitsrate, schienen weibliche Tiere im Freien dagegen überhaupt nicht zu altern, berichten die Forscher im Fachblatt “American Naturalist”. Ihrer Ansicht nach stützen diese Resultate “die immer häufiger geäußerte Ansicht, dass die Umwelt einen erheblichen Einfluss auf Lebensspanne und Altern hat”.
Die Gruppe führte ihre Untersuchungen mit Fliegen der Art Telostylinus angusticollis durch. Ausschließlich in Australien vorkommend, bringen es die Tiere auf eine Körperlänge von gut 2 Zentimetern – und boten den Forschern damit genügend Platz, um jedem Individuum eine Art Kennzeichen auf den Rücken zu malen. Nachdem sie die Tiere freigelassen hatten, suchten die Forscher regelmäßig die Lieblingsplätze der Art – alte Akazienstämme – nach “ihren” Fliegen ab.
Anhand der Zahl jeweils wiedergefundener Individuen schätzten sie, wie rasch sich die Sterblichkeitsrate der Fliegen im Laufe der Zeit erhöhte. Neben diesen Indikatoren für die Alterungsgeschwindigkeit der Tiere unterschieden sich auch die Lebensspannen. Männchen lebten im Freiland nur ein Fünftel so lang wie im Labor, ähnlich dramatisch waren die Unterschiede bei den Weibchen. Solche Diskrepanzen zwischen Labor und Freiland müssten berücksichtigt werden, wenn man verstehen wolle, welche Faktoren die Evolution einer Art bestimmten, so die Bonduriansky und Kollegen.
Forschung: Noriyoshi Kawasaki, Robert C. Brooks und Russell Bonduriansky, Evolution and Ecology Research Centre und School of Biological, Earth and Environmental Sciences, University of New South Wales, Sydney; Chad E. Brassil, School of Biological Sciences, University of Nebraska, Lincoln
Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 172(3), pp 346-57, DOI 10.1086/589519
WWW:
Bonduriansky Lab
- Neriidae: The Stilt-legged Flies of Australia
Zweiflügler
Aging: The Biology of Senescence
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