Maßgeschneiderte Arterien-Alarmanlagen
Donnerstag, 4. September 2008, 12:58 • Rubrik Medizin.
Die Blutgefäße in den verschiedenen Teilen des Körpers sind mit unterschiedlichen “Alarmanlagen” ausgestattet, haben amerikanische Forscherinnen entdeckt. Je nach Körperregion sprechen Abwehrzellen in der Arterienwand auf verschiedene Krankheitserreger besonders gut an.
Möglicherweise trägt eine besondere TLR-Ausstattung auch zur Anfälligkeit der Herzkranzgefäße für Atherosklerose bei. Bild: NIH-National Heart, Lung and Blood Institute
Bei diesen Zellen handelt es sich um Dendritische Zellen, die als Späher des Immunsystems fungieren und gegebenenfalls weitere Abwehrzellen zur Stelle rufen. “Alle größeren Arterien des Menschen verfügen über diese Alarmanlage”, erklärt Cornelia Weyand von der Emory University. Die neuen Resultate könnten verstehen helfen, warum Gefäßkrankheiten wie Atherosklerose oder Vasculitis in einzelnen Körperregionen besonders häufig seien.
Weyand und Kolleginnen studierten sechs große Arterien (Hauptschlagader, Halsschlagader sowie Unterschlüsselbein-, Eingeweide-, Becken- und Schläfenarterie) des menschlichen Körpers. Die Gewebeproben stammten von 37 älteren Verstorbenen und waren frei von Ablagerungen. Zu ihrer Überraschung fanden die Forscherinnen, dass verschiedene Toll-Like-Rezeptoren (TLR), mit denen das angeborene Immunsystem Krankheitserreger erkennt, nicht gleichmäßig in den Proben verteilt waren.
Zwar waren einzelne Rezeptoren in allen Arterien recht häufig bzw. selten, berichtet die Gruppe im Fachblatt “Circulation”. Fünf von neun untersuchten TLR kamen jedoch beinahe ausschließlich in bestimmten Arterien vor. “Zu unserer Überraschung fanden wir, dass die Arterien in Hals, Armen, Bauch und Beinen auf unterschiedliche infektiöse Organismen reagieren”, erläutert Weyand. “Jede Arterie weist also ihre ganz spezielle Funktion auf.”
Beispielsweise seien Rezeptoren, die auf Bestandteile der bakteriellen Schwimmgeißel ansprechen, in der Beckenarterie sehr häufig, in der Unterschlüsselbeinarterie dagegen nicht vorhanden, so die Medizinerin. Eine mögliche Erklärung – in diesem einzelnen Fall – könnte die große Nähe der Beckenarterie zum Darm mit seiner reichhaltigen Mikrobenflora sein.
Forschung: Olga Pryshchep und Cornelia M. Weyand, Lowance Center for Human Immunology and Rheumatology, School of Medicine, Emory University, Atlanta, Georgia; und andere
Online-Veröffentlichung Circulation, 2. September 2008, DOI 10.1161/CIRCULATIONAHA.108.789172
WWW:
Lowance Center for Human Immunology, Emory University
Arterien
Toll-Like Receptors
TLR eröffnen neue Möglichkeiten
Innate Immunity
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Bakterien sabotieren das Immunsystem
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