Hummeln gehen auf Nummer Sicher
4. September 2008 18:23
Auch ein kleines Insektenhirn kann von großer Anpassungsfähigkeit sein. Das belegen Versuche, die zwei englische Forscher mit Hummeln und Roboterspinnen durchgeführt haben. Hatten die Hummeln erst einmal gelernt, dass an ihren Nektarquellen ein schwer erkennbarer Räuber lauerte, flogen sie diese mit ausgesuchter Vorsicht an.
Ein guter Grund zur Vorsicht: Krabbenspinnen, hier Misumena vatia, können sich hervorragend an ihre momentanen Jagdgründe anpassen. Foto: Luc Viatour via Wikimedia (GnuFDL)
Angesichts dieser Lernleistung müsse man sich fragen, warum sich beispielsweise Krabbenspinnen überhaupt die Mühe machten, ihre Farbe an das jeweilige Umfeld anzupassen, erklärt Thomas Ings vom Queen Mary College der University of London. “Unsere Resultate legen nahe, dass die Spinnen aus der Tarnung keinen offenkundigen Nutzen ziehen - zumindest nicht, was ihren Fangerfolg betrifft.” Gleichzeitig reduzierten derart gut getarnte Räuber die Bestäubungsrate und schadeten so den Pflanzen, auf denen sie lauerten.
Ings und sein Kollege Lars Chittka beobachteten das Verhalten von Erdhummeln (Bombus terrestris) auf einer Laborwiese aus 16 gelben Kunstblüten. An jeder vierten Blüte wurden die Sammlerinnen nach der Landung von einem mit Schaumstoff gepolsterten Klauenpaar gepackt und 2 Sekunden lang festgehalten. Über solchen “gefährlichen” Blüten hatten die Forscher lebensgroße Modelle von Krabbenspinnen postiert.
Zu Beginn des Trainings gingen die Hummeln bei jeder vierten Landung in die Falle, schienen also rein zufällig die Nektarquellen anzusteuern. Die Quote sank jedoch rasch auf wenige Prozent, berichten Ings und Chittka im Fachblatt “Current Biology”. Entgegen den Erwartungen der Forscher spielte es dabei aber keine Rolle, ob das Spinnenmodell weiß und daher für die Hummeln gut erkennbar war oder ob es gelb war und daher farblich mit dem Blütenhintergrund verschmolz.
Eine Erklärung für dieses verblüffende Resultat fand sich bei der systematischen Flugbahn-Analyse. Demnach gingen die Hummeln auf Nummer Sicher, nachdem sie schlechte Erfahrungen auf Blüten mit schwer erkennbaren Spinnen gemacht hatten: Verglichen mit Kolleginnen, die es mit leicht erkennbaren Spinnen zu tun hatten, schwebten sie bis zu 70 Prozent länger vor einer Blüte, bevor sie darauf landeten oder wieder abdrehten. Auch stuften sie selbst Blüten ohne Spinne häufiger als unsicher ein und flogen weiter. Dieses Resultat passe zu der Beobachtung, dass Hummeln mitunter einen großen Bogen um Blumenflächen mit vielen Krabbenspinnen machten, so die Forscher.
Forschung: Thomas C. Ings und Lars Chittka, Research Centre for Psychology, School of Biological and Chemical Sciences, Queen Mary, University of London
Veröffentlichung Current Biology, Vol 18, DOI 10.1016/j.cub.2008.07.074
WWW:
Bee Sensory and Behavioural Ecology Lab, QMUL
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