Eltern vererben Herpesvirus
Mittwoch, 3. September 2008, 13:56 • Rubrik Genetik, Medizin.
Kinder haben mitunter nicht nur Nase oder Augen ihrer Eltern, sondern auch deren Krankheitserreger. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Medizinerinnen nach einer Studie mit 254 Kindern. Waren diese bereits bei der Geburt mit einem Herpesvirus infiziert, hatte sich der Erreger meist schon im Erbgut der Eltern eingenistet.
EM-Aufnahme: Bernard Kramarsky, Laboratory Of Tumor Cell Biology, National Cancer Institute
Offenbar sei das Virus in einer früheren Generation in die Keimzellen gelangt, habe sein Erbgut in deren DNA integriert und werde seitdem an den Nachwuchs vererbt, folgert die Gruppe um Caroline Breese Hall von der University of Rochester. Derzeit sei noch unklar, ob eine solche “geerbte Infektion” anders verlaufe als eine, die erst während oder nach der Geburt erfolge, so die Kinderärztin.
Bei dem Virus handelt es sich um das weit verbreitete Humanherpesvirus 6 (HHV-6), einen Erreger des Dreitagefiebers. Bei Säuglingen und Kleinkindern sehr häufig, verläuft die von Fieber und Hautausschlag begleitete Erkrankung in der Regel problemlos. Bislang ging man davon aus, dass eine schon bei der Geburt bestehende Infektion auf eine Übertragung des Virus durch die Plazenta zurückgeht.
Diese Ansicht muss nun revidiert werden, glauben Hall und Kolleginnen. Für ihre Studie verfolgten sie den Werdegang von 254 Kindern, von denen 43 schon bei der Geburt mit HHV-6 infiziert waren. In 37 dieser Fälle ließ sich das Virus nicht nur im Blut, sondern auch im Haar der Neugeborenen nachweisen. Weitere Analysen bekräftigten die Vermutung, dass das Virus bereits in das Genom dieser Kinder integriert war.
In 27 dieser Fälle waren auch Haarproben der Eltern verfügbar. Stets ließ sich auch hier das Virus nachweisen, berichten die Medizinerinnen im Fachblatt “Pediatrics”. In Haarproben von Eltern, deren Kinder erst nach der Geburt infiziert wurden, fand sich das Virus dagegen nicht. Auf Grundlage ihrer Daten schätzen die Forscherinnen, dass rund 1 Prozent aller Neugeborenen ein geerbtes HHV-6 in sich tragen.
Forschung: Caroline Breese Hall und Mary T. Casert, Department of Pediatrics und Department of Medicine, School of Medicine and Dentistry, University of Rochester, Rochester, New York, und andere
Veröffentlichung Pediatrics, Vol. 122(3), pp 513-20, DOI 10.1542/peds.2007-2838
WWW:
Department of Pediatrics, University of Rochester
Dreitagefieber
Herpesviren
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