Blinder Passagier hilft Archäologen

3. September 2008 19:00 Drucken

Foto einer Maus mit grau-braunem Rücken und hellerem Bauch Der Unterkiefer eines winzigen Blinden Passagiers könnte helfen, mehr über die Herkunft eines vor über 3.300 Jahren gesunkenen Handelsschiffs zu erfahren. Ein französischer Forscher hat ermittelt, dass der Knochen am ehesten zu einer Hausmaus passt, die in Syrien an Bord des Schiffs gelangt war - möglicherweise kurz vor dessen Untergang. Das berichtet das Magazin “New Scientist” in seiner neuen Ausgabe.

Foto: Ilmari Karonen /wikimedia

Dieses Resultat erlaube nicht nur Rückschlüsse über die damaligen Handelsrouten, glaubt Thomas Cucchi von der Durham University und vom Muséum National de l’Histoire Naturelle in Paris. Der Knochenfund liefere auch den ältesten handfesten Beleg dafür, wie sich die Maus als Begleiter des Menschen über den Mittelmeerraum ausgebreitet habe. Der Forscher präsentiert seine Resultate im “Journal of Archaeological Science”.

Der wenige Millimeter lange Unterkiefer war inmitten der tonnenschweren Ladung des “Schiffs von Uluburun” gefunden worden. Im Jahr 1982 vor der türkischen Südküste entdeckt, barg das Wrack neben Hunderten von Kupferplatten auch Luxusgüter wie Ebenholz, Elfenbein und Schmuck sowie ein ägyptisches Siegel in Form eines Skarabäus. Angesichts dieser Ladung rätseln Archäologen, woher das Schiff stammte und ob es möglicherweise sogar in diplomatischer Mission unterwegs war.

Cucchi glaubt, dass seine mathematische Analyse der Kieferform bei der Klärung dieser Fragen helfen kann. Demnach stammt der Kiefer von einer Westlichen Hausmaus (Mus musculus domesticus) und erinnert in seinen Proportionen am ehesten an heutige Hausmäuse in Syrien. Zudem scheint die Maus zierlich gewesen zu sein im Vergleich mit Artgenossen, die seit Generationen auf Schiffen leben. Daher vermutet der Forscher, dass der Hafen des nordsyrischen Stadtstaats Ugarit eine der letzten Stationen auf der Route des Schiffs war.

Forschung: Thomas Cucchi, Department of Archaeology, University of Durham, Durham, UK, und UMR 5197, Département Écologie et Gestion de la Biodiversité, Muséum National d’Histoire Naturelle-CNRS, Paris

Veröffentlichung Journal of Archaeological Science, Vol. 35(11), pp 2953-9, DOI 10.1016/j.jas.2008.06.016

WWW:
New Scientist
Bioarchaeology Research Group, University of Durham
Archéozoologie, Muséum National d’Histoire Naturelle
Bronze Age Shipwreck Excavation at Uluburun
Schiff von Uluburun

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Pollen verrät Herkunft antiker Schiffswracks


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