Revierherren machen Morgengymnastik
29. August 2008 12:41
Nicht nur Frühaufsteher und Spätheimkehrer kennen das lautstarke Konzert, das Singvögel in der Morgendämmerung anstimmen. Eine andere Art, den Tag zu begrüßen, hat ein amerikanischer Zoologe auf Jamaika beobachtet. Dort lebende Echsen vollführen eine regelrechte Morgengymnastik, sobald sie Posten in ihrem Revier bezogen haben.
Die “Gymnastik” der Anolis, hier ein Anolis sagrei, umfasst auch das wiederholte Aufstellen des Kehllappens. Foto: Ianaré Sévi via Wikimedia.org, Creative Commons 2.5
Und bevor die Anolis abends ihren Schlafplatz aufsuchen, absolvieren sie abermals eine Reihe gut sichtbarer Bewegungen, beobachtete Terry Ord von der University of California in Davis und von der Harvard University. Die kleinen Leguane machen “Liegestütze”, bewegen den Kopf ruckartig hin und her und stellen immer wieder ihren bunten Kehllappen auf.
Nach Ansicht des Forschers soll dieses Verhalten potenziellen Rivalen verdeutlichen, dass der “Hausherr” immer noch lebt und nicht gedenkt, sein Revier mitsamt der darin lebenden Weibchen aufzugeben. “Wenn ein Vogel am Morgen nichts von seinem Nachbarn hört oder ein Anolis seinen Nachbarn nicht sieht, könnte er darin eine Gelegenheit sehen, sein Revier auszudehnen.”
Varianten des Dämmerungskonzerts der Vögel seien auch von Fröschen, Geckos und Primaten bekannt, so Ord weiter. Die Anolis lieferten allerdings das erste bekannte Beispiel für eine optische Version. “Bei Anolis spielt der Sehsinn eine sehr wichtige Rolle. Daher ist es eigentlich nicht überraschend, dass sie ihr Revier mit visuellen Signalen markieren.”
Für seine Studie streifte der Forscher wochenlang durch das Gelände. Sobald er ein ausgewachsenes Anolis-Männchen (Anolis lineatopus, A. sagrei, A. grahami oder A. opalinus) erspäht hatte, filmte er dieses zehn Minuten lang aus gebührendem Abstand.
Die Auswertung der Filmaufnahmen ergab, dass die Tiere zwar auch tagsüber ihre Ansprüche und ihre körperliche Verfassung kundtun. Die Häufigkeit dieser Darbietungen ist in den ersten zwei Stunden des Tages und in der Abenddämmerung aber sehr viel höher als in der übrigen Zeit des Tages, berichtet der Forscher im Fachblatt “American Naturalist”.
Forschung: Terry J. Ord, Museum of Comparative Zoology und Department of Organismic and Evolutionary Biology, Harvard University, CAmbridge, Massachusetts, und Section of Evolution and Ecology, University of California, Davis
Online-Veröffentlichung American Naturalist, DOI 10.1086/590960
WWW:
Terry Ord, UC Davis
Anoles
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