Posted in: Biologie 26. August 2008 13:55 Weiter lesen →

Leuchtlarven im Anti-Takt

Von einer Höhlendecke herabhängende, tröpfchenbesetzte Fangfäden Die gefräßigen Larven einiger Mückenarten leuchten des Nachts, um Beute anzulocken. Ein australischer Forscher hat entdeckt, dass diese Lichtproduktion von einer inneren Uhr gesteuert wird. Selbst eine in tiefen Höhlen lebende Art schaltet ihr grünbläuliches Glimmen zeitweise aus – allerdings in einem merkwürdigen Takt.

Auch die auf Neuseeland heimische Art Arachnocampa luminosa ist in Höhlen zu finden. Foto: Mnolf via Wikimedia.org (GnuFDL)

Die neuen Resultate seien umso erstaunlicher, als kein Tageslicht bis tief unter die Erde gelange, an dem die Höhlenbewohner den Wechsel von Tag und Nacht erkennen könnten, erläutert David Merritt von der University of Queensland. „Und doch schalten sie aus eigenem Antrieb und synchron ab.“

Merritt studierte Larven der Pilzmücke Arachnocampa tasmaniensis. Die geschlechtsreifen Tiere ähneln großen Mücken, können mit ihren verkümmerten Mundwerkzeugen jedoch keine Nahrung aufnehmen. Ganz anders die Larven: Sie leben an Höhlendecken und produzieren Vorhänge aus klebrigen Spinnfäden. Bleibt ein fliegendes Insekt an einem solchen Faden hängen, zieht in die Larve ein und verspeist ihn mitsamt der Beute. Als Lockmittel dient den Fallenstellern ein Leuchten, wie es beispielsweise auch Glühwürmchen und Tiefseefische zeigen.

Im Rahmen einer früheren Studie hatten Merritt und eine Kollegin bereits eine Pilzmückenart untersucht, die im Regenwald lebt und ihre Fäden von Pflanzen herablässt. Das nächtliche Leuchten dieser Art folgt demnach ebenfalls dem Takt einer inneren Uhr, die mit jedem Sonnenaufgang neu justiert wird. Der Taktgeber der Höhlenbewohner ist dagegen noch nicht identifiziert.

Am verblüffendsten sei jedoch, dass die Höhlenbewohner einen völlig anderen Takt aufwiesen als ihre Verwandtschaft an der Oberfläche, so Merriit. „Sie glimmen am hellsten, wenn außerhalb der Höhle helllichter Tag ist.“ Weitere Studien müssten nun zeigen, wie sich dieser Anti-Takt im Laufe der Evolution eingestellt habe und welche Vorteile er mit sich bringe.

Forschung: David J. Merritt, School of Integrative Biology, University of Queensland, Brisbane

WWW:
Merritt Lab
Arachnocampa
Circadiana Rhythmen
Biolumineszenz

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