Posted in: Biologie, Genetik, Geschichte, Kultur 22. August 2008 17:56 Weiter lesen →

Tahiti-Vanille aus Maya-Wäldern

Foto zeigt dunkelhaarigen Mann mit Vollbart in weißem Hemd und mit breitem Hut in einem Gewächshaus, wie er eine Kletterpflanze an ein Gestänge bindet Die kostbare Tahitivanille gibt es möglicherweise erst seit einigen Hundert Jahren. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe nach einem systematischen Erbgutvergleich. Demnach scheint es sich um einen Bastard zu handeln, der in den Wäldern der mittelamerikanischen Maya entstanden und seitdem weit herumgekommen ist.

Pesach Lubinsky verhilft einer Vanilla-Orchidee zu mehr Halt. Foto: UCR Strategic Communications

Verglichen mit der bekannteren Gewürzvanille (Vanilla planifolia), besitzt die Tahitivanille (Vanilla tahitensis) ein eher blütenartiges Aroma. Umso teurer wird sie als Rohstoff für die Parfumherstellung gehandelt. Die Herkunft des Orchideengewächses ist jedoch rätselhaft, da es niemals wild wachsend, sondern bestenfalls „verwildert“ gefunden wurde. Eine schlüssige Erklärung für dieses Phänomen glauben die Forscher um Pesach Lubinsky von der University of California, Riverside, nun liefern zu können.

Lubinsky und Kollegen gingen einer gut 50 Jahre alten Vermutung nach, der zufolge die Tahitivanille ein Mischling ist. Dazu sequenzierten die Forscher zwei Erbgutabschnitte mehrerer Vanilla-Arten und erstellten einen Stammbaum. Was die DNA der rein mütterlicherseits vererbten Chloroplasten betrifft, ist die Tahitivanille kaum von der Gewürzvanille zu unterscheiden, berichten die Gruppe im „American Journal of Botany“. Betrachtet man aber die DNA im Zellkern, ähnelt sie am ehesten der kommerziell nicht genutzten Vanilla odorata. Beide Arten wachsen wild nur in Mexiko und Guatemala, während die Tahitivanille heute vorwiegend in Polynesien angebaut wird.

„Sämtliche Indizien weisen in die gleiche Richtung“, erläutert Lubinsky. Aus historischen Berichten wisse man, dass die Tahitivanille erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit französischen Seefahrern von Manila nach Tahiti gelangt sei. Auf den Philippinen sei sie ebenfalls nicht heimisch, sondern nur als „Vanille aus Guatemala“ bekannt gewesen. Die plausibelste Verbindung zur mittelamerikanischen Heimat ihrer Elternarten seien die Manila-Galeonen. Diese spanischen Handelsschiffe schafften regelmäßig Silber aus Mexiko über den Pazifik nach Ostasien und kehrten mit Porzellan, Seide, Elfenbein und anderen exotischen Gütern in die Neue Welt zurück.

Ihre Existenz könnte die Tahitivanille der Vorliebe der Maya für Süßes verdanken, glaubt Lubinsky. „Jahrtausende lang bewirtschafteten die präkolumbischen Maya ihre Wälder, um darin Kakao anzubauen und Schokolade herzustellen. Und wir wissen auch, dass sie Vanille anbauten, um damit Schokolade zu verfeinern.“ Wahrscheinlich hätten die frühen Forstwirte zufällig Vertreter der einen Vanilleart in das Verbreitungsgebiet der anderen gebracht und erst so die Entstehung des Hybriden ermöglicht, so der Botaniker. „Es handelt sich um ein Produkt der Evolution und gleichzeitig um ein Artefakt der Maya.“

Forschung: Pesach Lubinksy und Seung-Chu Kim, Department of Botany and Plant Sciences, University of California, Riverside; Arturo Gómez-Pompa, Centro de Investigaciones Tropicales, Universidad Veracruzana; und andere

Veröffentlichung American Journal of Botany, Vol. 95, pp 1040-7, DOI 10.3732/ajb.0800067

WWW:
Botany and Plant Sciences, UC Riverside
Vanille
Tahiti-Vanille

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