Posted in: Chemie, Ernährung, Psychologie 21. August 2008 00:00 Weiter lesen →

Ein Sinn für Calcium?

Grünlich gefärbter Mikroskopschnitt zeigt eine Zellschicht, die eine tiefe Tasche bildet, darin einige intensiv grün gefärbte Zellen Die Zunge könnte ein noch besserer Sensor sein als bislang angenommen. Diesen Schluss legen Tests nahe, die ein amerikanischer Forscher mit verschiedenen Mäusestämmen durchgeführt hat. Vermittelt durch zwei Gene, scheint der Geschmackssinn der Tiere ganz spezifisch auf Calcium anzusprechen.

Einige Zellen in den Geschmacksknospen einer Ratte bilden den Calciumrezeptor CaSR, erkennbar an der intensiv grünen Färbung. Bild: Michael Tordoff

Beide Gene seien auch im Erbgut des Homo sapiens vorhanden, erklärt Michael Tordoff vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia. Und aufgrund der generellen Ähnlichkeit zwischen beiden Spezies sei es daher denkbar, dass auch Menschen einen spezifischen Calcium-Geschmack wahrnehmen können.

Tordoff und Kollegen stellten 40 Mäusestämme vor die Wahl zwischen reinem Wasser und einer calciumhaltigen Lösung. Die meisten Tiere gaben dem Wasser den Vorzug, lediglich ein Stamm trank etwa vier Mal häufiger die Lösung. Ein großangelegter Genomvergleich und nachfolgende Experimente lassen die Ursache für den Unterschied in den Genen CaSR und Tas1r3 vermuten, berichtet der Forscher auf der Jahrestagung der American Chemical Society.

Ersteres trägt die Information für einen bekannten Calcium-Rezeptor, der bereits in Speicheldrüsen, Nieren, Gehirn und Verdauungstrakt, nicht jedoch auf der Zunge nachgewiesen worden war. Letzteres codiert dagegen für ein Protein, dass bereits aus den Rezeptoren für die Geschmacksqualitäten „süß“ bzw. „umami“ bekannt war. Tatsächlich verloren Mäuse, bei denen Tas1r3 ausgeschaltet worden war, ihren Sinn für Süßes und gleichzeitig ihre Aversion gegen die calciumhaltige Lösung.

„Wir wissen nicht, ob die beiden Gene beim Menschen in der gleichen Form vorliegen wie bei Mäusen“, erläutert Tordoff. „Es scheint jedoch sehr wahrscheinlich, dass sie die gleiche Funktion erfüllen.“ Immerhin wisse man, dass Trinkwasser mit reichlich Calcium für Menschen unangenehm schmecke. Und auch einige Gemüse mit einem hohen Calciumgehalt besäßen ein ganz eigenes, zwischen bitter und sauer liegendes Aroma, das nicht unbedingt jedermanns Geschmack treffe.

Forschung: Michael G. Tordoff, Monell Chemical Senses Center, Philadelphia, Pennsylvania

Präsentation im Rahmen des 236th National Meeting of the American Chemical Society, Philadelphia; #AGFD 207

WWW:
Monell Chemical Senses Center
Geschmack – ein simpler Sinn?
Calcium und Ernährung

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