Wie das Gehirn gegen den Schlaf ankämpft

20. August 2008 07:44 Drucken

Ein Mann ist über seinem Notebook eingeschlafen Eine durchwachte Nacht hinterlässt eine chemische Spur im Kopf, haben amerikanische Forscherinnen beobachtet. Demnach scheint das Hirn durch verstärkte Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin gegen den Schlaf anzukämpfen. Das körpereigene Aufputschmittel kann allerdings nicht verhindern, dass die geistige Leistungsfähigkeit nach und nach abnimmt.

Foto: Rui Vale de Sousa /Fotolia

“Unsere Studie liefert die ersten Belege dafür, dass Dopamin im menschlichen Gehirn eine Rolle bei jenen Anpassungen spielt, die sich infolge von Schlafentzug einstellen”, erklärt Nora Volkow vom National Institute on Drug Abuse. Dieser Befund stehe im Einklang mit der Beobachtung, dass Drogen wie Kokain oder Amphetamine ebenfalls den Dopaminspiegel im Hirn erhöhten, während sich bei der Parkinsonschen Krankheit mit einem Mangel an Dopamin oft auch starke Schläfrigkeit einstelle.

Volkow und Kolleginnen führten ihre Studie mit 15 gesunden Teilnehmern durch. Diese erhielten am Morgen nach einer durchschlafenen bzw. durchwachten Nacht schwach radioaktives [11C]-Racloprid injiziert. Die Substanz lagert sich an Dopaminrezeptoren an, die nicht gerade von Dopamin besetzt sind. Mittels Positronen-Emissionstomographie konnten die Forscherinnen verfolgen, wo und in welchem Maße sich die Markersubstanz im Gehirn anreicherte und daraus auf die Dichte freier Rezeptoren schließen.

In zwei Regionen tief im Gehirn, dem Striatum und dem Thalamus, waren nach einer durchwachten Nacht deutlich weniger Dopaminrezeptoren frei, berichten Volkow und Kolleginnen im “Journal of Neuroscience”. Offenbar wurde in den Antrieb bzw. Aufmerksamkeit beeinflussenden Regionen verstärkt Dopamin ausgeschüttet. Dieser biochemische Effekt einer durchschlafenen Nacht war umso ausgeprägter, je erschöpfter sich die Teilnehmer fühlten und je schlechter sie bei Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstests abschnitten.

Forschung: Nora D. Volkow, National Institute on Drug Abuse, National Institutes of Health, Bethesda, Maryland; Gene-Jack Wang, Brookhaven National Laboratory, Upton, New York; und andere

Veröffentlichung Journal of Neuroscience, 20. August 2008; Journal of Nuclear Medicine, Vol. 49 (Suppl. 1), 38P

WWW:
National Institute on Drug Abuse
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin
- Schlafstörungen und ihre Behandlung
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