Mehrheit entscheidet bei Makaken

20. August 2008 20:21 Drucken

Foto zeigt ein regelrechtes Knäuel aus eng aneinander geschmiegten Äffchen mit dunklem Fell; größere ältere sowie kleine, jüngere Tiere Auch Affen kennen eine Art Demokratie, hat ein französisches Forscherduo beobachtet. Bei den indonesischen Tonkeamakaken gibt demnach die Mehrheit die Richtung vor, in die sich die Gruppe bewegt. Alter, Geschlecht oder Rang scheinen dabei keine Rolle zu spielen.

Mehrheitsfähiger Zusammenhalt. Foto: Christophe Chauvin via Wikimedia.org

Offenbar herrscht bei den Tonkeamakaken echte Gleichberechtigung, folgern Cédric Sueur und Odile Petit von französischen Forschungsorganisation CNRS und von der Universität Straßburg. Ein evolutionärer Vorzug dieser Methode der Entscheidungsfindung könnte sein, dass sie die Erfahrung und Bedürfnisse aller Gruppenmitglieder berücksichtige, so das Magazin “New Scientist” in seiner neuen Ausgabe.

Sueur und Petit beobachteten das Treiben von Tonkeamakaken (Macaca tonkeana) auf der Insel Sulawesi. Die Affen lebten in zwei Gruppen, bestehend aus 10 bzw. 22 Tieren. Ihre Unternehmungen wurden häufig von einem Individuum eingeleitet, das sich einige Schritte weit von der Gruppe entfernte, dabei immer wieder zurückschaute und wartete, dass sich auch der Rest des Trupps in Bewegung setzte.

Gab es zwei oder mehr solcher Initiatoren, die sich in unterschiedliche Richtungen bewegten, kam es zu einer Art Abstimmung. Die übrigen Tiere strebten nun ihrerseits in die jeweils favorisierte Richtung. Der Zusammenhalt in der Gruppe ist jedoch so stark, dass sich schließlich alle “Andersdenkenden” der größten Fraktion anschlossen. Erst jetzt setzte sich die Gruppe als Ganzes in Bewegung, beobachteten die Forscher.

Ähnliche Gemeinschaftsentscheidungen konnte Petit zusammen mit weiteren Kollegen auch bei Gänsen, Przewalski-Pferden und bei Rhesusaffen beobachten. Bei letzteren mit ihrer strikt hierarchischen Rangordnung werden die Entscheidungen allerdings von dominanten und alten Gruppenmitgliedern beherrscht.

Forschung: Cédric Sueur und Odile Petit, Département Ecologie, Physiologie et Ethologie, Institut Pluridisciplinaire Hubert Curien, CNRS und Université Louis Pasteur, Strasbourg

Präsentation auf der 4th European Conference on Behavioural Biology, Dijon, und Veröffentlichung Behavioural Processes, Vol. 78(1), pp 84-92, DOI 10.1016/j.beproc.2008.01.004

WWW:
Ethologie des Primates, IPHC Strasbourg
The Sulawesi Macaques
Makaken tricksen Artgenossen aus
New Scientist

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Sozialer Ausschluss verändert Gehirnfunktion

Kommentare und Trackbacks

Kommentare geschlossen.

Switch to our mobile site

Bottom