Posted in: Biologie, Mathematik 14. August 2008 15:00 Weiter lesen →

Hummeln sammeln mit Verstand

Foto zeigt Blick in ein Hummelnest, auf einer Wabe eine Hummel mit einem kleinen Metallkästchen auf ihrem gelben Brustpelz Auch dem sprichwörtlichen Bienenfleiß sind Grenzen gesetzt, hat eine englisch-deutsche Forschergruppe am Beispiel der Hummel ermittelt. Je besser die Nahrungsvorräte im Nest gefüllt sind, desto schwerer haben es erfolgreiche Sammlerinnen, ihre Kolleginnen zur Arbeit zu bewegen.

Mit Hilfe einer RFID-Stempeluhr konnten die Forscher rund 16.000 Sammeleinsätze protokollieren. Foto: Dr. Nigel Raine

„Den ganzen Tag umherfliegen, um Nektar und Pollen aus Blüten zu sammeln, das ist harte Arbeit“, erklärt Mathieu Molet vom Queen Mary College der University of London. Zudem seien Sammlerinnen der Bedrohung durch Fressfeinde und Parasiten ausgesetzt, sobald sie das Nest verließen. Eine den Bedürfnissen angepasste Aktivität sei für den Hummelstaat daher nützlicher als unbedingter Arbeitseifer.

Molet und Kollegen führten ihre Versuche mit Laborkolonien der Erdhummel (Bombus terrestris) durch. Jedem einzelnen Tier hatten sie nach dem Schlüpfen einen winzigen, individuell codierten Funkchip auf den Rücken geklebt. Und da die Sammlerinnen einen engen Verbindungsgang zwischen ihrem Nest und einer künstlichen „Blumenwiese“ passieren mussten, konnte ihr Kommen und Gehen minutiös protokolliert werden. Daten über insgesamt 16.000 Sammeleinsätze kamen auf diese Weise zusammen.

Versuchsweise setzten die Forscher die Nester jenem Cocktail von Duftstoffen aus, mit dem erfolgreiche Sammlerinnen bei der Heimkehr den Arbeitseifer ihrer Kolleginnen anregen. Die Wirkung variierte mit den Nektarvorräten, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Behavioral Ecology and Sociobiology“. In Nestern, in denen höchstens jeder zwanzigste Honigtopf gefüllt war, stieg die Zahl der Sammeleinsätze um 70 Prozent, in Nestern mit üppigeren Vorräten dagegen nur um 40 Prozent. Ein ähnlich abgestufter Effekt zeigte sich bei der Zahl der aktiven Sammlerinnen.

Aus früheren Versuchen wisse man bereits, dass erfolgreiche Heimkehrer umso weniger Duftstoff freisetzten und dass die Sammlerinnen umso widerwilliger das Nest verließen, je besser die Vorräte gefüllt seien, so Molet und Kollegen. Die neuen Resultate zeigten, dass auch die Wirkung des Rekrutierungspheromon von den Umständen abhänge. Die Existenz von drei Rückkopplungsschleifen ermögliche es dem Hummelstaat, seine Sammelaktivität sehr fein an seine aktuellen Bedürfnisse anzupassen.

Forschung: Mathieu Molet und Nigel E. Raine, Research Centre for Psychology, School of Biological and Chemical Sciences, Queen Mary, University of London; Sebastian Streit, EDV Consulting, Köln; und andere

Veröffentlichung Behavioral Ecology and Sociobiology, DOI 10.1007/s00265-008-0623-3

WWW:
Bee Sensory and Behavioural Ecology Lab, QMUL
Homepage Mathieu Molet
Im Hummelnest
Pheromones

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