Posted in: Medizin, Soziales 13. August 2008 19:00 Weiter lesen →

Eine Schwäche für Belohnungen

Foto zeigt qualmende Zigarette in einem gläsernen Aschenbecher, feine Rauchfahne Die Wesensart eines Menschen spiegelt sich im gewissen Maße auch in seiner Gehirnchemie wider, haben deutsche und kanadische Mediziner ermittelt. Je stärker eine Person auf Anerkennung und Belohnung angewiesen ist, umso mehr „Antennen“ für Opioide finden sich demnach in einem wichtigen Teil des hirneigenen Belohnungssystems.

Foto: Tomasz Sienicki, Wikimedia (Creative Commons SA2.0)

Nach Ansicht der Forscher um Mathias Schreckenberger vom Universitätsklinikum Mainz könnte diese Verbindung unter anderem helfen, Suchtverhalten besser zu verstehen und den Erfolg entsprechender Therapien zu verfolgen. Über ihre Entdeckung berichtet die Gruppe im „Journal of Nuclear Medicine“.

Die Forscher untersuchten 23 Männer, bei denen umfassende Tests keinerlei Anzeichen für einen Drogenmissbrauch ergeben hatten. Alle Probanden erhielten mit dem [18F]-Fluorethyldiprenorphin eine schwach radioaktive Substanz injiziert, die an die Opioidrezeptoren im Körper bindet. Mit Hilfe der Positronen-Emissionstomographie verfolgten die Forscher, wie sich die Substanz im Gehirn der Teilnehmer anreicherte, und konnten so auf die Dichte an Opioidrezeptoren in verschiedenen Hirnregionen schließen.

Schließlich füllten die Teilnehmer noch einen Fragebogen aus, der Aufschluss über vier Facetten ihres Temperaments geben sollte, nämlich Neugierverhalten, Schadensvermeidung, Beharrungsvermögen und Belohnungsabhängigkeit. Lediglich für den letzten Faktor ließ sich ein klarer Zusammenhang mit der Dichte der Opioidrezeptoren in einer bestimmten Gehirnregion erkennen.

Je stärker ausgeprägt die Belohnungsabhängigkeit der Teilnehmer war, desto mehr Opioidrezeptoren wiesen sie im ventralen Striatum auf, fanden Schreckenberger und Kollegen. Diese Gehirnstruktur, insbesondere der darin gelegene Nucleus accumbens, gehört zu einem System von Nervenschaltkreisen, das wichtige Handlungen wie Essen, Trinken und Sex mit der Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin „belohnt“. Verstärkt wird diese „Belohnung“ durch körpereigene Opioide, zu denen unter anderem die Endorphine zählen.

Eine besonders hohe Dichte an Opioidrezeptoren könnte bedeuten, dass das Gehirn zu wenig körpereigene Opioide produziert, so die Forscher. Mangels „interner“ Belohnung strebten solche Menschen vielleicht im besonderen Maße nach „externer“ Belohnung – und könnten damit tendenziell anfälliger sein für Heroin und andere, von außen zugeführte Opioide.

Forschung: Mathias Schreckenberger, André Klega und Peter Bartenstein, Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, und Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität München; und andere

Veröffentlichung Journal of Nuclear Medicine, Vol. 49(8), pp 1257-61, DOI 10.2967/jnumed.108.050849

WWW:
Nuklearmedizinische Klinik, Uni Mainz
Nuklearmedizinische Klinik, Uni München
The Reward Circuit
Sucht, Belohnungsmechanismen und Gehirn
Positronen-Emissionstomographie

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