Posted in: Biologie, Physik 12. August 2008 02:00 Weiter lesen →

Liebesgeflüster im Ultraschall

Wenn bei Hirschen die Brunft beginnt, hört es der gesamte Wald. Ganz anders liegt der Fall bei einem kleinen Schmetterling, den japanische und dänische Biologen untersucht haben. Die männlichen Falter produzieren extrem leise Minnegesänge im Ultraschall, die lediglich das umworbene Weibchen zu hören vermag.

Schon im Abstand von wenigen Zentimetern sind die Gesänge für rivalisierende Geschlechtsgenossen und für Fressfeinde nicht mehr wahrzunehmen, ermittelten Ryo Nakano von der Universität Tokyo und Kollegen. Erzeugt werden die feinen Laute durch das Aneinanderreiben winziger Schuppen auf Flügeln und Brustkorb, berichte die Gruppe in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Studienobjekt der Forscher ist der Asiatische Maiszünsler (Ostrinia furnacalis). Lediglich die männlichen Tiere besitzen die mit kräftigen Längsrippen gespickten Gesangsschuppen. Wenn die Tiere die Flügel aufstellen und dann leicht auf- und abwärts bewegen, kratzen die gerippten Oberflächen übereinander und erzeugen das Zirpen bei Frequenzen zwischen 40 und 80 Kilohertz – weit jenseits der Obergrenze des menschlichen Gehörs. Ein schuppenloser Fleck auf den Vorderflügeln scheint als eine Art Lautsprechermembran zu dienen.

Das Liebesgeflüster bleibt nicht ohne Wirkung bei den Angebeteten, beobachteten Nakano und Kollegen. Sobald ein Weibchen die Laute hört, verhält es sich ruhig und lässt ein Männchen bei seinen Begattungsversuchen bereitwillig gewähren. Bleiben die Gesänge aus, haben die Weibchen dagegen rasch genug und suchen das Weite.

Mit einem Schalldruckpegel von 46 Dezibel, gemessen in 1 Zentimeter Abstand, sind die Gesänge so leise, dass sie für andere Maiszünsler schon in einer Entfernung von 3 Zentimetern nicht mehr hörbar sind. Auch hungrigen Fledermäusen dürften die Laute kaum beim Anpeilen der Beute helfen. Umgekehrt gehe die weibliche „Duldungsstarre“ vielleicht auf das Erstarren zurück, dass die Falter beim Hören von Fledermaus-Ortungslauten zeigten, spekulieren die Forscher.

Forschung Ryo Nakano und Yukio Ishikawa, Graduate School of Agricultural and Life Sciences, University of Tokyo; Niels Skals, Institute of Biology, University of Southern Denmark, Odense; Takuma Takanashi, Department of Forest Entomology, Forestry and Forest Products Research Institute, Tsukuba; und andere

Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0804056105

WWW:
Agricultural and Environmental Biology, University of Tokyo
Ostrinia furnacalis
Schallpegel

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Das Schweigen der Grillen
Schmetterlinge warnen Fledermäuse
Frosch zwitschert im Ultraschall


Posted in: Biologie, Physik
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (1 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.