Posted in: Chemie, Technik 7. August 2008 20:00 Weiter lesen →

Fahndung im Fingerabdruck

Zwei Bilder, das eine Rot auf Schwarz, das andere Blau auf Weiß, des gleichen Fingerabdrucks Fingerabdrücke verraten nicht nur die Identität einer Person, sondern auch, womit diese hantiert hat. Eine entsprechende Technik stellen amerikanische Chemiker im Magazin „Science“ vor. Sie tasten einen Fingerabdruck mit einem Tröpfchenstrahl ab und können so ermitteln, welche Substanzen in dem Stempelbild aus Schweiß und Fett enthalten sind.

Wertet man den zugehörigen Gipfel im Massenspektrum aus, liefern Kokainspuren im Fingerabdruck das gleiche Bild wie einer herkömmlicher Abdruck mit Tinte. Bild: Science/AAAS

„Ein Teil der Rückstände geht auf natürliche Verbindungen aus der Haut zurück, ein anderer stammt von Oberflächen oder Materialien, die die Person zuvor berührt hat“, erklärt Graham Cooks von der Purdue University. Auf diese Weise lasse sich beispielsweise ermitteln, ob der Verursacher eines Fingerabdrucks Drogen oder Sprengstoffe berührt habe. Damit nicht genug, würden überlappende Fingerabdrücke verschiedener Personen anhand ihrer unterschiedlichen Zusammensetzung unterscheidbar.

Die Analyse erfordert nicht einmal eine spezielle Vorbereitung, berichten Cooks und Kollegen. So, wie er ist, wird ein Fingerabdruck auf Plastik, Papier oder Glas zeilenweise mit einem feinen Strahl elektrisch geladener Tröpfchen abgetastet. Ein Teil der elektrischen Ladung geht dabei auf die Verbindungen in dem Abdruck über und sprengt sie förmlich aus ihrer Umgebung heraus. Das resultierende Wölkchen wird in ein Massenspektrometer geleitet, welches die ionisierten Moleküle anhand ihrer Masse identifizierbar macht. Die Methode wird als Desorption Electrospray Ionization-Mass Spectrometry (DESI-MS) bezeichnet.

Punkt für Punkt entsteht so ein Bild des Abdrucks mitsamt dem zugehörigen Spektrum der Inhaltsstoffe. Schon 5 Millionstel Gramm des Cannabis-Wirkstoffs THC, des Sprengstoffs RDX oder von Kokain lassen sich auf diese Weise nachweisen, berichten Cooks und Kollegen. Aber auch natürliche Bestandteile des Abdrucks wie beispielsweise Fettsäuren aus dem Hauttalg lassen sich so – etwa für medizinische Zwecke – erfassen.

Forschung: Demian R. Ifa, Nicholas E. Manicke, Allison L. Dill und R. Graham Cooks, Department of Chemistry und Center for Analytical Instrumentation Development, Purdue University, West Lafayette, Indiana

Veröffentlichung Science, Vol. 321, 8. August 2008, p 805, DOI 10.1126/science.1157199

WWW:
Cooks Group, Purdue University
Desorption Electrospray Ionization
Fingerabdruck für die Fahndung

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