Scienceticker Astro Scienceticker Umwelt

Zwillinge riechen ähnlich

Mittwoch, 6. August 2008, 2:00 • Rubrik Biologie, Chemie, Soziales.

Zwillinge Nicht nur unter Mäusen, auch unter Menschen haben verwandte Individuen einen ähnlichen Körpergeruch. Das haben Schweizer Forscher im Rahmen einer Studie mit 12 Zwillingspaaren ermittelt. Geschwister geben mit dem Schweiß demnach eine vergleichbare Palette von Substanzen ab, die von Hautbakterien in flüchtige Duftstoffe umgewandelt werden.

Foto: PhotoCreate /Fotolia

Zwar variiert das persönliche Bukett von Tag zu Tag und von Achsel zu Achsel, beobachteten Fabian Kuhn und Andreas Natsch von der Firma Givaudan in Dübendorf. Die mit Abstand größten Unterschiede zeigten sich jedoch zwischen den Geschwisterpaaren, berichten die beiden Forscher im Fachblatt “Interface” der Royal Society. Dies spreche für die Ansicht, dass der menschliche Körpergeruch zum Teil durch das Erbgut bestimmt sei.

Das Resultat helfe zu verstehen, warum Hunde Menschen grundsätzlich gut anhand ihres Geruchs unterscheiden könnten, sich bei der Unterscheidung von Zwillingen jedoch schwertäten. Ob beim Menschen ein unterschiedlicher Duft auch eine genetische Verschiedenheit signalisiere, wie etwa bei Mäusen, müsse jedoch in weiteren Studien geklärt werden.

Frühere Studien zum menschlichen Körpergeruch hatten versucht, die von der Haut verdunstenden Duftstoffe vollständig zu erfassen, dabei allerdings auch Inhaltsstoffe von Kosmetika und Hygieneartikeln erfasst. Kuhn und Natsch konzentrierten sich dagegen auf eine Klasse von Duftstoffen, die eindeutig vom Körper abgegeben werden. Dabei handelt es sich um organische Säuren, die bei ihrer Sekretion noch an die Aminosäure Glutamin gekoppelt sind und erst durch ein Enzym von Hautbakterien freigesetzt werden.

Die Forscher verglichen Schweißproben, die sie an jeweils zwei Tagen aus beiden Achselhöhlen der 24 Zwillinge genommen hatten, während sich diese sportlich betätigten. Zunächst behandelten sie die Proben mit dem bakteriellen Enzym, woraufhin diese den markanten Schweißgeruch entwickelten. Darauf ließen sie eine zweifache Gaschromatographie samt anschließender Massenspektrometrie folgen. Lohn der Mühen war eine Art Landkarte für jede einzelne Probe, auf der die Höhen verschiedener “Berge” die jeweiligen Konzentrationen von nicht weniger als 35 Säuren widerspiegelten.

Forschung: Fabian Kuhn und Andreas Natsch, Givaudan Schweiz AG, Dübendorf

Veröffentlichung Journal of the Royal Society Interface, DOI 10.1098/rsif.2008.0223

WWW:
Givaudan
Körperdüfte
Scents and Sensibility

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Menschen haben eine soziale Nase
Angstgeruch macht wachsam



Möchten Sie den Beitrag bewerten?

SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading ... Loading ...

Empfehlen Sie den Text weiter! Empfehlen Sie den Text weiter!

Drucken Drucken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Copyright © 2011 by Stefan Jacobasch und Carsten Meinke (Impressum) | Template by Gabfire themes
Real Time Web Analytics