Posted in: Biologie 6. August 2008 19:00 Weiter lesen →

Virus befällt Virus

EM-Bild zeigt ein Mimivirus-Partikel mit annähernd sechseckigem Querschnitt, rundem Kern, dichter Hülle und einem breiten Saum feiner Fasern Wer von Schnupfen oder Grippe geplagt ist, wird es mit Genugtuung vernehmen: Auch Viren können Opfer eines Infekts sein. Französische Forscher haben entdeckt, dass ein riesenhaftes Virus von einem sehr viel kleineren Virus für dessen Vermehrung benutzt wird.

Riesenhafte Viren wie dieses Mimivirus scheinen vor Infekten nicht gefeit zu sein. Bild: Ghigo E, et al. (2008) PLoS Pathog 4(6): e1000087

Darunter leidet wiederum die Vermehrung des riesigen Virus im beträchtlichen Maße, beobachteten die Forscher um Bernard La Scola und Christelle Desnues von der Université de la Méditerranée in Marseille. In Anlehnung an Bakteriophagen, „bakterienfressende“ Viren, könne man das parasitische Virus daher als erstes Beispiel für einen Virophagen einstufen, schreibt die Gruppe im Magazin „Nature“.

Die Forscher fanden den Parasiten beim Studium des Mamavirus, einem neuen Verwandten des vor einigen Jahren entdeckten Mimivirus. Diese Riesen messen bis zu 700 Nanometer im Durchmesser und sind damit größer als so manches Bakterium, ähnliches gilt für ihr umfangreiches Erbgut. Beide befallen Amöben und programmieren sie derart um, dass die Einzeller in regelrechten Virusfabriken neue Viruspartikel herstellen. In eben diesen Fabriken erspähten die Forscher die 50 Nanometer kleinen Partikel des bislang unbekannten Winzlings.

Getauft auf den Namen „Sputnik“, ist der Zwerg nicht nur ein enger Begleiter des riesigen Virus, er ist auch auf diesen angewiesen, fanden die Forscher. Sind die Amöben nicht gleichzeitig vom Mamavirus befallen, kann sich Sputnik nicht in ihnen vermehren. Ebenso ungewöhnlich wie die Lebensweise des Virusparasiten ist sein scheinbar wahllos zusammengeklaubtes Erbgut: Von den 21 mutmaßlichen Genen gibt es für 13 keine bekannten Gegenstücke, die übrigen 8 ähneln Genen aus den verschiedensten Bereichen des Organismenreiches.

Forschung: Bernard La Scola, Christelle Desnues und Didier Raoult, URMITE, CNRS UMR IRD 6236, Faculté de Médecine, Université de la Méditerranée, Marseille; und andere

Online-Veröffentlichung Nature, 6. August 2008, DOI 10.1038/nature07218

WWW:
Maladies Infectieuses, Marseille
Giantvirus.org

Posted in: Biologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (2 Bewertungen, im Schnitt 4,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.