Posted in: Medizin, Soziales 6. August 2008 19:05 Weiter lesen →

Menschliche Todesopfer durch Geier-Rückgang

Foto zeigt den nackten Hals und Kopf eines Geiers, kräftiger Raubvogelschnabel Im Gefolge des dramatischen Rückgangs der Geier in Indien hat auch eine menschliche Tragödie ihren Lauf genommen. Britische und indische Forscher schätzen, dass die starke Vermehrung verwilderter Hunde zu beinahe 50.000 zusätzlichen Todesfällen aufgrund von Tollwut geführt hat. Das berichtet das Magazin „New Scientist“ in seiner neuen Ausgabe.

Der Bestand des Bengalengeiers ist auf 1 Promill des Ausgangswertes gesunken. Foto: Goran Ekström, PLoS Biol 4(3): e61 (Creative Commons)

Anfang der 90er-Jahre war aufgefallen, dass mehrere Geierarten auf dem indischen Subkontinent seltener wurden. Laut aktuellen Schätzungen ist beispielsweise der Bestand des Bengalengeiers in den letzten 15 Jahren um 99,9 Prozent eingebrochen, für zwei weitere Arten wird der Rückgang auf 97 Prozent beziffert. Auch für den Menschen sind die Folgen erheblich, haben Anil Markandya von der Universität Bath und seine Kollegen ermittelt.

Geier sind in Indien nicht nur von kultureller und religiöser Bedeutung, sondern erfüllen durch die Beseitigung von Tierkadavern auch eine wichtige hygienische Funktion. Das Verschwinden der Vögel hat die Zahl verwilderter Hunde, die ebenfalls an Kadavern fressen, im Zeitraum 1992 bis 2006 um 5,5 Millionen ansteigen lassen, schätzen die Forscher. Dies bedeute etwa 38,5 Millionen zusätzliche Bissverletzungen bei Menschen und letztlich 47.300 zusätzliche Todesfälle durch Tollwut, schreiben sie im Fachblatt „Ecological Economics“.

Als Ursache des Geiersterbens wurde schließlich der Wirkstoff Diclofenac identifiziert. Fressen Geier an Kadavern von Vieh, das mit dem Entzündungshemmer behandelt worden ist, erleiden sie ein tödliches Nierenversagen. Nach Ansicht Markandyas ist jedoch wenig sinnvoll, nach Schuldigen für die Tragödie zu suchen. Den Effekt des Wirkstoffs auf Geier habe niemand vorhersehen können, so der Forscher. Viel wichtiger sei es, künftig genauer zu untersuchen, ob und wie ökologisch bedeutsame Arten durch Medikamente beeinflusst würden.

Forschung: Anil Markandya und Tim Taylor, Department of Economics and International Development, University of Bath, und Fondazione Eni Enrico Mattei, Triest; und andere

Veröffentlichung Ecological Economics, DOI 10.1016/j.ecolecon.2008.04.020

WWW:
New Scientist
Economics and International Development, University of Bath
Vulture Rescue
Tollwut

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Indien will Geier retten
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