Posted in: Geologie, Klima, Umwelt, Paläontologie 4. August 2008 23:00 Weiter lesen →

Klimazeugen aus der Kälte

Makroaufnahme eines bräunlichen Moospflänzchen-Fossils, bestehens aus Stängel samt Blättchen Überreste einer 14 Millionen Jahre alten Lebensgemeinschaft hat eine internationale Forschergruppe in der Antarktis entdeckt. Die Fossilien von Algen, Pflanzen und Tieren zeigen, dass die Gegend vor 14 Millionen Jahre vergleichsweise milde Bedingungen aufwies. Dann wurde sie durch einen Temperatursturz dauerhaft in ein Eishaus verwandelt.

Dieses Moospflänzchen-Fossil hat die Zeit im gefrorenen Boden überraschend gut überstanden. Foto: Courtesy of A. Lewis

Gemessen an den Moosen, Muschelkrebsen und Käfern, müsse die mittlere Sommertemperatur in den antarktischen Trockentälern damals um 5 Grad Celsius gelegen haben, schreiben die Forscher um Adam Lewis von der North Dakota State University in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Dann sei der Wert jedoch binnen 200.000 Jahren auf etwa minus 3 Grad gefallen. Heute liegt er sogar bei minus 12 Grad.

Abgeschirmt gegen Gletscher und heimgesucht von trockenen Winden, zählen die antarktischen Trockentäler zu den unwirtlichsten Orten der Erde. Ausgerechnet hier, an den Hängen des Mount Boreas und weiterer Berge, fanden Lewis und Kollegen die Fossilien produktiver Lebensgemeinschaften, die einst in von Gletschermoränen aufgestauten Tümpeln bestanden.

Zu den wichtigsten Zeugen der damaligen Bedingungen zählen Kieselalgen: Deren genaue Artenzusammensetzung lässt darauf schließen, dass die Seen einige Jahrtausende lang Bestand hatten, zeitweise Tiefen von mehreren Metern erreichten und zumindest in den wärmeren Monaten nicht zugefroren waren.

Foto zeigt wüstenartige Felslandschaft, verstreute Eisflächen, im Vordergrund ein ausgebleichtes Robbenskelett samt Fellresten

Mitunter verirren sich Robben in die „Dry Valleys“, einen der unwirtlichsten Orte der Erde. Foto: Courtesy of A. Ashworth

Die Fossilien stammten von Tieren und Pflanzen, die heute nicht mehr in der Antarktis vorkommen, so Lewis und Kollegen. Zudem sei das Material in bemerkenswert gutem Zustand. Insgesamt könne man daher vermuten, dass das Gebiet nicht einmal während einer Erwärmung, von der die Erde vor etwa 3 Millionen Jahren erfasst wurde, wieder aufgetaut sei. Offenbar sei das Gebiet jenseits von 77 Grad südlicher Breite seit mindestens 13,85 Millionen Jahren im Griff des Polarwüstenklimas.

Forschung: Adam R. Lewis, David R. Marchant und Allan C. Ashworth, Department of Earth Sciences, Boston University, Byrd Polar Research Center, Ohio State University, Columbus, und Department of Geosciences, North Dakota State University, Fargo; Jane K. Willenbring, Institut für Mineralogie, Leibniz-Universität, Hannover; und andere

Veröffentlichung PNAS, Vol. 105(31), pp 10674-9, DOI 10.1073/pnas.0802501105

WWW:
Homepage Adam Lewis
The Dry Valleys
Abruptes Wachstum der antarktischen Eiskappe im Miozän

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