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Wenn Kampfrichter Rot sehen

31. Juli 2008 |

Taekwondo_300 Wenn Sportler in Rot besonders erfolgreich sind, liegt der Grund möglicherweise bei den Schiedsrichtern. Entsprechende Belege liefert ein Experiment Münsteraner Sportwissenschaftler, bei dem Kamprichter Videoaufnahmen von Taekwondo-Kämpfern beurteilten. Solchen mit rotem Körperschutz gaben sie deutlich mehr Punkte als solchen in Blau - und zwar selbst dann, wenn die Farben nachträglich vertauscht worden waren.

Foto: Nickr /Dreamstime

Obwohl die Kampfrichter also die gleichen Szenen sahen, bewerteten sie die jeweilige Leistung in Abhängigkeit von der Farbe unterschiedlich, erklärt Bernd Strauß von der Universität Münster. “Es handelt sich um einen unbewussten und von den Schiedsrichtern natürlich nicht gewollten Effekt. Wir können eben unsere Wahrnehmung nicht so einfach überlisten.”

Strauß und Kollegen führten 42 erfahrenen Kampfrichtern 22 Taekwondo-Kampfsequenzen vor. Tatsächlich handelte es um Filmaufnahmen von nur 11 Szenen, mal in ursprünglicher und mal in digital bearbeiteter Form mit vertauschten Farben von Kopf- und Rumpfschutz. Der Effekt war verblüffend: Dieselben Kämpfer erhielten für dieselben Aktionen im Schnitt 13 Prozent mehr Punkte, wenn sie dabei Rot anstelle von Blau trugen, berichten die Forscher im Fachblatt “Psychological Science”.

In früheren Studien war der Farbeffekt damit erklärt worden, dass rote Kleidung einen Kämpfer als besonders aggressiv oder dominant erscheinen lasse oder seine Bewegungen schlechter erkennbar mache. Der Einfluss auf die Kampfrichter könne gerade in Begegnungen ähnlich starker Kämpfer das Zünglein an der Waage sein, so die Münsteraner Sportpsychologen. Umso wichtiger sei es, die Kampfrichter entsprechend zu schulen und vielleicht auch mit technischen Hilfen wie beispielsweise Trefferdetektoren zu arbeiten.

Forschung: Norbert Hagemann, Bernd Strauß und Jan Leißing, Arbeitsbereich Sportpsychologie, Institut für Sportwissenschaft, Universität Münster

Veröffentlichung Psychological Science, Vol. 19(8), August 2008

WWW:
Sportpsychologie, Uni Münster
Taekwondo
Die Farbe Rot

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Rot macht stark

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