Posted in: Biologie 23. Juli 2008 19:00 Weiter lesen →

Parasiten: Ungeliebte Macht

Foto zeigt einen Fluss, der sich durch hellgrünes Marschland gen Meer schlängelt Auch wenn sie nicht eben beliebt sind, bilden Parasiten doch einen wichtigen Baustein von Ökosystemen. Dieses Fazit ziehen amerikanische und mexikanische Forscher nach einer großangelegten Inventur in Flussmündungen. Parasitisch lebende Organismen stellen dort nicht nur einen beachtlichen Teil der Biomasse, sie treiben auch den Stoff- und Energieumsatz an.

Eines der untersuchten Mündungsgebiete, die Bahia Falsa auf der kalifornischen Halbinsel. Foto: Kevin Lafferty

Allein die schwimmfähigen Saugwurm-„Schwärmer“, die in einer einzigen Schneckenart alljährlich heranwachsen, bringen sehr viel mehr Gewicht auf die Waage als sämtliche Vögel in den Mündungsgebieten, ermittelten die Forscher um Armand Kuris von der University of California in Santa Barbara. Ihre Resultate präsentieren sie im Magazin „Nature“.

Kuris und Kollegen studierten die Trichtermündungen dreier kalifornischer Flüsse. An jeweils 23 Punkten registrierten die Wissenschaftler sämtliche Pflanzen und Tiere von mindestens 1 Millimeter Größe. Fische, Wirbellose und einige Vögel untersuchten sie zudem auf den Befall mit Parasiten. Neben einer parasitischen Pflanze, einem Teufelszwirn, fanden sich nicht weniger als 137 Arten tierischer Schmarotzer von Saug- und Bandwürmern bis hin zu parasitischen Asseln. Pro Hektar dürften es diese „Mitbewohner“ auf eine Masse von bis zu 2,6 Tonnen bringen – entsprechend bis zu 1,2 Prozent der gesamten tierischen Biomasse.

Diese parasitische Biomasse hat es in sich, demonstrieren die Forscher am Beispiel der Schnecke Cerithidea californica. Die Art dient 18 verschiedenen Saugwürmern als Zwischenwirt, mancherorts sind befallene Vertreter häufiger als nicht-befallene. Die Parasiten nutzen den Stoffwechsel der Schnecke, um pro Jahr und Hektar bis zu 50 Kilogramm Verbreitungsstadien zu produzieren. Allerdings gehen die meisten dieser Cercarien zugrunde bzw. werden gefressen, ehe sie den nächsten Wirt befallen können, sodass ihre Biomasse rasch wieder zur Verfügung steht. Zum Vergleich: Selbst wenn man die Wintergäste mitzählt, bringt es die Vogelfauna der Mündungsgebiete auf durchschnittlich 4 Kilogramm pro Hektar.

Forschung: Armand M. Kuris, Ryan F. Hechinger und Kevin D. Lafferty, Department of Ecology, Evolution and Marine Biology und USGS Western Ecological Research Center, Marine Science Institute, University of California, Santa Barbara; Leopoldina Aguirre-Macedo, Centro de Investigación y Estudios Avanzados del IPN, Mérida; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 454, 24. Juli 2008, pp 515-8, DOI 10.1038/nature06970

WWW:
Ecological Parasitology, UCSB
Einheimische Trematoden
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