Posted in: Biologie 16. Juli 2008 09:24 Weiter lesen →

Wenn Hummeln krankfeiern möchten

Foto: Hummel auf einer knatschgelben Unterlage, mit ausgestrecktem Saugrüssel in einem klaren Flüssigkeitströpfchen Nicht nur bei Menschen, auch bei Insekten lässt die Konzentrationsfähigkeit nach, wenn der Körper einen Eindringling bekämpft. Das haben britische Biologen bei Versuchen mit Hummeln beobachtet. Nachdem das Immunsystem der Tiere gereizt worden war, hatten diese Probleme, sich die Farbe besonders vielversprechender Blüten zu merken.

Nr. 37 bei der Arbeit. Foto: Courtesy of Tom Ings

„Krankheiten können verschiedene Verhaltensweisen von der Nahrungssuche über die Partnerwahl bis hin zur Wachsamkeit gegenüber Fressfeinden beeinflussen“, erklärt Eamonn Mallon von der Universität Leicester. Die neuen Resultate belegten, dass dieser Effekt nicht unbedingt auf den Krankheitserreger selbst zurückgehen müsse, sondern durchaus auch durch die Abwehrreaktion bedingt sein könne.

Mallon und seine Kollegen zogen zwei Kolonien von Erdhummeln (Bombus terrestris) groß. Einigen Individuen verabreichten sie schließlich Bestandteile bakterieller Zellwände, die eine starke Immunantwort hervorrufen. Diese Tiere taten sich bei anschließenden Lerntests auf einer künstlichen Blumenwiese schwerer als ihre Artgenossinnen, denen lediglich eine dünne Salzlösung injiziert worden war.

Die „Wiese“ bestand aus gelben und blauen Plastikröhrchen, die Wasser bzw. Zuckerwasser enthielten. Alle Hummeln lernten mit der Zeit, nur noch die Blüten mit der Zucker signalisierenden Farbe zu besuchen. Das geschah bei den Tieren mit aktiviertem Immunsystem jedoch langsamer als bei den Kontrollbienen, sodass sie erst nach etwa 80 Blütenbesuchen eine vergleichbare Erfolgsquote erreichten.

Auch bei Hummeln bestehe also eine Wechselwirkung zwischen Immun- und Nervensystem, folgern Mallon und Kollegen. Wie diese Verbindung zustande komme, sei derzeit noch unbekannt, so die Forscher. Vielleicht zehre die Abwehrreaktion Ressourcen auf, die dann nicht mehr für das Gedächtnis zur Verfügung ständen. Es sei aber auch eine direktere Beeinflussung denkbar.

Forschung: Akram Alghmdi und Eamonn B. Mallon, Biology Department, University of Leicester; und andere

Veröffentlichung Biology Letters, 16. Juli 2008, DOI 10.1098/rsbl.2008.0331

WWW:
Mallon Lab, University of Leicester
Hummeln
Insect Immunology: Humoral, Hemocytic

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