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UV-Makel verrät Kuckuckseier

Dienstag, 15. Juli 2008, 12:31 • Rubrik Biologie.

Moenchsgrasmuecke_Wikipedia_300 Wer das Verhalten von Vögeln verstehen will, muss die Welt mit ihren Augen sehen. Diese Auffassung bestätigt eine Studie zweier tschechischer Biologen. Schoben sie Vogelpaaren fremde Eier unter, bei denen lediglich die Färbung im ultravioletten Bereich des Lichtspektrums nicht stimmte, wurden die “Kuckuckseier” häufig aus dem Nest geworfen.

Männliche Mönchsgrasmücke. Foto: G. Holler /Wikipedia

Dieses Resultat helfe zu verstehen, warum Studien zum Brutparasitismus mitunter verblüffende Ergebnisse lieferten, erklären Marcel Honza von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften und Lenka Polačikova von der Masaryk-Universität in Brünn. Häufig akzeptierten Brutpaare Eier, die ihren eigenen anscheinend kaum ähnelten, und verschmähten umgekehrt vermeintlich perfekte Kopien. Dieses Paradoxon löse sich auf, wenn man bedenke, “dass Menschen und Vögel sich in ihrer Farbwahrnehmung erheblich unterscheiden”.

Honza und Polačikova führten einen regen Eiertausch zwischen Nestern von Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla) durch. Einige Eier behandelten sie zuvor mit einem UV-Blocker, der Wellenlängen unterhalb von 400 Nanometern absorbierte, sichtbares Licht jedoch ungehindert passieren ließ. Von 27 derart manipulierten Eiern wurden 17 binnen fünf Tagen aus dem Nest geworfen. Das gleiche Schicksal widerfuhr nur 5 von 16 Eiern, die mit UV-neutraler Vaseline behandelt worden waren. Ähnlich hoch war der Anteil bei unbehandelten Kontrolleiern, berichtet das Duo im “Journal of Experimental Biology”.

Heutzutage sei die Mönchsgrasmücke nur selten das Ziel von Brutparasiten, schreiben die Forscher. Es gebe jedoch Hinweise darauf, dass die Nester der Art früher relativ häufig mit Kuckuckseiern bedacht worden seien. Da Mönchsgrasmücken nach wie vor in der Lage seien, fremde Eier zu erkennen und aus dem Nest zu werfen, könne man davon ausgehen, dass sie als Sieger aus einem koevolutionären Ringen mit Kuckucken hervorgegangen seien, so Honza und Polačikova. Die beiden Forscher wollen nun genauer untersuchen, in welchem Maße UV-Merkmale den Erfolg und Misserfolg von Brutparasiten bei verschiedenen Wirtsarten beeinflussen.

Forschung: Marcel Honza, Institute of Vertebrate Biology, Academy of Sciences of the Czech Republic, und Lenka Polačikova, Department of Botany and Zoology, Masaryk University, Brno

Veröffentlichung Journal of Experimental Biology, Vol. 211, pp 2519-23, DOI 10.1242/jeb.017327

WWW:
Institute of Vertebrate Biology, AVCR
Botany and Zology, Masaryk University
Mönchsgrasmücke
Brood Parasitism

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Wie Vögel die Welt (nicht) sehen
Mafiamethoden unter Vögeln



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