Tumor drängt Beutelteufel zur Eile

15. Juli 2008 08:54 Drucken

Foto eines Beutelteufels: etwa hundsgroßes Tier mit kompaktem Körperbau, dunklem Fell mit wenigen hellen Streifen und aufgerissenem Maul samt Raubtiergebiss Mit bemerkenswerter Anpassungsfähigkeit reagiert der tasmanische Beutelteufel auf die Bedrohung durch einen ansteckenden Tumor. Eine australische Biologin hat ermittelt, dass sich die Tiere inzwischen deutlich früher fortpflanzen, als sie es unter normalen Umständen tun würden.

Durch den ansteckenden Gesichtstumor rasch dezimiert, bringen die Beutelteufel noch bestensfalls einen Wurf durch. Foto: Courtesy Menna Jones

“Zwar dürfte sich diese Fähigkeit, zur vorzeitigen Fortpflanzung überzugehen, günstig auf die Überlebens- und Erholungschancen auswirken”, schreiben Menna Jones von der Universität Tasmanien und ihre Kollegen in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”. Die Zukunft der für die australische Insel so typischen Art sei jedoch nach wie vor ungewiss.

Erstmals im Jahr 1996 beobachtet, hat der ansteckende Gesichtstumor den Bestand des Beutelteufels (Sarcophilus harrisii) um 90 Prozent dezimiert. Laut derzeitigem Kenntnisstand geht die Krankheit auf eine einzige, aggressiv wuchernde Zelllinie zurück. Übertragen wird sie wahrscheinlich durch Bisse, wie sie zwischen erwachsenen Tieren während der Paarungszeit häufig sind. Die resultierenden Geschwüre führen binnen Monaten zum Tod.

In einigen der betrachteten Populationen sind daher keine Tiere mehr zu finden, die älter als 2 Jahre sind, ergaben die regelmäßigen Fänge der Forscher. Die Weibchen können also bestenfalls noch einen Wurf großziehen, wo es früher drei bis vier Würfe waren. Allerdings beginnen sie heute auch früher mit der Fortpflanzung: Vor dem Auftauchen der Krankheit trugen höchstens 13 Prozent der einjährigen Weibchen Nachwuchs im Beutel oder hatten mit der Milchbildung begonnen. Inzwischen sind es bis zu 83 Prozent – im Schnitt ist der Anteil um den Faktor 16 gestiegen.

Bislang gebe es keine Belege dafür, dass dieses Phänomen bereits auf eine genetische Anpassung zurückgehe, schreiben Jones und Kollegen. Wahrscheinlich seien die verbliebenen Tiere mangels Konkurrenz aus den eigenen Reihen schlicht besser genährt und könnten daher schneller geschlechtsreif werden. Begünstigt durch diese phänotypische Flexibilität, seien mittelfristig aber auch genetische Anpassungen an den starken Selektionsdruck zu erwarten.

Forschung: Menna E. Jones und David Pemberton, School of Zology, University of Tasmania, und Department of Primary Industry and Water, Hobart; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.0711236105

WWW:
Menna Jones, University of Tasmania
Beutelteufel
Tasmanian Devil Facial Tumour Disease

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ansteckender Tumor dezimiert Beutelteufel


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