Auch alte Hirne wachsen durch Training

9. Juli 2008 14:40 Drucken

Grafik Gehirn Auch bei älteren Menschen wächst das Gehirn an seinen Aufgaben. Das haben Hamburger Neurowissenschaftler erstmals zeigen können. Nachdem ihre Studienteilnehmer im Alter von 50 bis 67 Jahren das Jonglieren erlernt hatten, war bei ihnen ein Substanzzuwachs in mehreren Hirnregionen feststellbar.

Grafik: Vasiliy Yakobchuk /Fotolia

Vor vier Jahren hatten die Forscher um Arne May, inzwischen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, solche Veränderungen bei jungen Erwachsenen beobachtet. Die neuen Resultate zeigten, “dass sich die anatomische Struktur des erwachsenen Gehirns selbst im Alter noch signifikant verändern kann”, so der Neurowissenschaftler. “Auch und gerade für ältere Menschen ist es daher wichtig, neue Herausforderungen zu meistern und Neues zu lernen.”

Für ihr neues Experiment rekrutierten die Wissenschaftler 24 Frauen und 20 Männer. Deren Hirne wurden vor und nach einem dreimonatigen Jonglagetraining mittels Kernspintomographie vermessen. Anders als bei der 25-köpfigen Vergleichsgruppe, zeigte sich bei den Jonglierern eine einseitige Vergrößerung der grauen Substanz im visuellen Assoziationskortex. Diese Region der Hirnrinde ist darauf spezialisiert, Bewegungen im Raum wahrzunehmen. Nach einer dreimonatigen Jonglierpause hatte sich der Zuwachs teilweise wieder zurückgebildet.

Ebenfalls nur bei den Jongleuren stellten May und Kollegen einen Zuwachs im Hippocampus fest. Diese alte Struktur an der Basis der Schläfenlappen ist für die Verankerung neuen Wissens und neuer Fähigkeiten im Hirn von zentraler Bedeutung. Aus früheren Studien war bereits bekannt, dass dort neue Hirnzellen entstehen können. Zudem fanden sich Vergrößerungen im Nucleus accumbens im Vorderhirn – einem Teil des hirneigenen Belohnungssystems.

Forschung: Janina Boyke, Joenna Driemeyer, Christian Gaser, Christian Büchel und Arne May, Institut für Systemische Neurowissenschaften und Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Veröffentlichung Journal of Neuroscience, 9. Juli 2008

WWW:
Institut für Systemische Neurowissenschaften, UKE
Gehirnatlas
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