Satte Kinder, schlaue Erwachsene
Montag, 7. Juli 2008, 22:00 • Rubrik Ernährung, Medizin.
Je besser ein Kind in den ersten Lebensjahren ernährt wird, desto besser können sich seine geistigen Fähigkeiten entfalten. Das haben amerikanische und guatemaltekische Forscher ermittelt, als sie Teilnehmer eines vor 30 Jahren durchgeführten Experiments nochmals untersuchten. Jene, die damals einen sehr nährstoffreichen Brei erhalten hatten, schnitten nun bei einem Intelligenztest deutlich besser ab.
Foto: Franz Pfluegl /Fotolia
Der Effekt ist unabhängig von der absolvierten Schulzeit, betonen Aryeh Stein von der Emory University in Atlanta und seine Kollegen. Gleichzeitig seien insbesondere Mädchen, die die Nahrungsergänzung erhalten hätten, von ihren Eltern deutlich länger in der Schule gelassen worden – möglicherweise, weil sie sich dort besonders gut gemacht hätten. Ihre Resultate präsentieren die Forscher im Fachblatt “Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine”.
Stein und Kollegen untersuchten die geistigen Fähigkeiten von 1.448 Erwachsenen, die im Zeitraum 1969-77 in Guatemala geboren worden und dort in eine Ernährungsstudie einbezogen gewesen waren. In zwei von vier teilnehmenden Dörfern hatten Schwangere, Stillende und Neugeborene einen aus Pflanzenmehlen, Milch und Zucker hergestellten Brei erhalten. In den übrigen beiden Dörfern hatte es stattdessen eine Art Fruchtlimonade mit deutlich weniger Protein, Kohlenhydraten sowie Spurenelementen gegeben.
Alle Personen gaben Auskunft über ihren schulischen Werdegang und absolvierten einen Lesetest sowie einen Mustererkennungstest. In beiden Fällen erzielten jene, die in den ersten 24 Lebensmonaten den Brei erhalten hatten, höhere Resultate als ihre Altersgenossen, die Limonade bekommen hatten. Statistisch abgesichert war dieser Effekt jedoch nur im Falle des Mustererkennungstests: Hier betrug der Unterschied 1,7 Punkte bei 36 maximal erzielbaren Punkten. Stein und Kollegen schätzen, dass dieser intellektuelle Vorsprung etwa 1,6 zusätzlichen Schuljahren entspricht. Ihrer Ansicht nach demonstrieren die neuen Resultate, dass Bemühungen um eine bessere Schulbildung in armen Ländern immer auch die Ernährungssituation einbeziehen müssen.
Forschung: Aryeh D. Stein und Reynaldo Martorell, Department of Global Health, School of Public Health, Emory University, Atlanta, Georgia; Ruben Grajeda, Unit of Public Policies, Institute of Nutrition of Central America and Panama, Guatemala-Stadt; und andere
Veröffentlichung Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine, Vol. 162(7), pp 612-8
WWW:
Department of Global Health, Emory University
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