Gummischlange soll Wellenenergie ernten
3. Juli 2008 19:46
Seeschlangen aus Gummi könnten helfen, die Energie der Meereswellen nutzbar zu machen. Entsprechende Versuche haben britische Forscher in Angriff genommen. Bei ihrer “Anaconda” handelt es sich um einen 200 Meter langen, wassergefüllten Gummischlauch, in dem der Seegang kräftige Strömungen in Gang setzt.
Die Schlauchhülle könnte aus ähnlich strapazierfähigem Gummi hergestellt werden, wie er heute in den Schürzen von Luftkissenbooten zum Einsatz kommt. Bild: EPSRC
Bei einer Dicke von 7 Metern könnte ein solcher Wellenenergie-Wandler unter guten Bedingungen eine elektrische Leistung von 1 Megawatt abgeben, schätzen die Forscher um Francis Farley, in Frankreich lebender Physiker, und John Chaplin von der University of Southampton. Praktisch wartungsfrei und kostengünstig in der Herstellung, könnten die Gummischlangen umweltfreundlichen Strom zu einem konkurrenzfähigen Preis liefern.
Das Konzept der Forscher sieht vor, jeden Gummischlauch mit einer Kette am Meeresgrund zu verankern, sodass er waagerecht im Wasser schweben und sich in der Strömung ausrichten kann. Trifft nun eine Meereswelle auf das Vorderende des Schlauchs, löst sie darin eine Druckwelle aus. Ähnlich wie der Puls in einer Arterie, läuft die Welle durch das Wasser im Schlauch und treibt eine Turbine an dessen Hinterende an.
Der Clou: Die Gummihülle ist so ausgelegt, dass die Druckwelle im Schlauch nur minimal schneller ist als die Meereswelle, von der sie ausgelöst wurde und die auch weiterhin außen am Schlauch entlang läuft. Daher surft die innere Druckwelle förmlich auf der äußeren Meereswelle und kann ihr auf dem langen Weg zum Schlauchende immer mehr Energie entziehen.
Nach ersten Versuchen mit kleinen Modellen wollen die Forscher nun bis zu 0,5 Meter dicke Ausführungen ihres Wandlers erproben. Sollte er sich bei verschiedenen Arten von Wellengang bewähren, könnte die weitere Entwicklung sehr schnell verlaufen, glaubt Chaplin. “Schon im nächsten Jahr könnten wir ein Modell im Maßstab 1:3 im Meer testen. Und in etwa fünf Jahren könnte die erste Anlage in Nominalgröße vor der britischen Küste installiert werden.”
Forschung: Francis J.M. Farley, Maritime Energy Developments Ltd, Le Bar sur Loup; Rod C.T. Rainey, Atkins Consultants Ltd, London; John R. Chaplin, School of Civil Engineering and the Environment, University of Southampton; und andere
Präsentation auf der 7th European Wave and Tidal Energy Conference, Porto; EPSRC Study Grant EP/F030975/1
WWW:
Anaconda
Sustainable Energy Research Group, University of Southampton
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