Mäuse: Nachwuchs schützt vor Blasenkrebs

26. Juni 2008 14:28 Drucken

Foto zeigt zwei Mäuse mit unterschiedlich dunklem Fell auf einer behandschuhten Hand Eine Schwangerschaft könnte einen gewissen Schutzeffekt gegen Blasenkrebs mit sich bringen, haben amerikanische Mediziner bei Versuchen mit Mäusen entdeckt. Jene Weibchen, die niemals trächtig gewesen waren, entwickelten um ein Vielfaches größere Blasentumoren als Geschlechtsgenossinnen, die bereits Nachwuchs zur Welt gebracht hatten.

Foto: Maggie Bartlett, NHGRI

Dieser Befund könnte verstehen helfen, warum Blasenkrebs bei Männern zwei- bis dreimal so häufig auftrete wie bei Frauen, erklärt Jay Reeder von der University of Rochester. Früher habe man dieses Phänomen auf eine höhere Karzinogen-Belastung am Arbeitsplatz und durch Zigaretten zurückgeführt. “Vielleicht sollte man sich aber eher fragen, warum Frauen einen besseren Schutz genießen”, so der Mediziner.

Reeder und seine Arbeitsgruppe studierten einen Mäusestamm, der in der inneren Auskleidung der Harnwege ein Virusprotein bildet und als Resultat Blasentumoren entwickelt. Die Forscher verglichen Weibchen, die niemals bzw. mindestens zweimal Nachwuchs bekommen und gesäugt hatten, sowie Männchen, von denen einige kastriert worden waren. Die erstaunlichen Unterschiede zwischen den Gruppen sprechen für einen Einfluss von Schwangerschafts- bzw. Stillhormonen auf das Tumorwachstum, schreiben die Mediziner im Fachblatt “Urology”.

Bei Weibchen mit Nachwuchs betrug das Tumorvolumen demnach nur ein Fünfzehntel des Wertes bei jungfräulichen Weibchen sowie bei normalen Männchen. Und auch bei kastrierten Männchen waren die Tumoren insgesamt deutlich kleiner als bei ihren normalen Geschlechtsgenossen.

In früheren Studien an Mäusen und an Menschen hatten die Forscher bereits Hinweise dafür gefunden, dass der Spiegel des männlichen Geschlechtshormons Testosteron mit dem Tumorwachstum in Zusammenhang steht. Einen möglichen Vermittler sehen sie in dem Protein Thromospondin-1 (TSP1). Dieses unterdrückt die Bildung neuer Blutgefäße und könnte so die Versorgung und damit das Wachstum von Tumormassen bremsen. Auch von anderen Krebserkrankungen wie Brust-, Prostata- und Schilddrüsenkrebs ist bekannt, dass das Wachstum der Tumoren vom Hormonhaushalt abhängen kann.

Forschung: Aimee M. Johnson, Mary J. O’Connell, Edward M. Messing und Jay E. Reeder, Department of Pathology and Laboratory Medicine, Department of Urology und Department of Imaging Sciences, University of Rochester Medical Center, Rochester, New York

Veröffentlichung Urology, DOI 10.1016/j.urology.2008.04.028

WWW:
Jay Reeder, University of Rochester
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