Tiefe Sprengkraft
25. Juni 2008 19:00
Auf die Spuren eines gewaltigen Vulkanausbruchs im Arktischen Ozean ist eine internationale Expedition gestoßen. In rund 4 Kilometern Wassertiefe fanden die Forscher am Meeresboden ausgedehnte Ascheschichten, die es dort eigentlich nicht geben dürfte - zumindest laut einer weit verbreiteten Ansicht.
Die Forscher bauen ein Seismometer auf einer Eisscholle auf. Foto: C. Linder /Alfred-Wegener-Institut
“An Land sind explosive Vulkanausbrüche nichts Ungewöhnliches und stellen eine große Bedrohung für ganze Landstriche dar”, erklärt Vera Schlindwein vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, eine der Expeditionsteilnehmerinnen. Bislang sei man jedoch davon ausgegangen, dass explosiver Vulkanismus in Wasser unter einem Druck von mehr als 315 Bar, entsprechend rund 3.140 Metern Wassertiefe, nicht möglich sein sollte.
Diese Ansicht muss nun überdacht werden, berichten Schlindwein und Kolleginnen im Magazin “Nature”. Im Jahr 2007 waren sie mit einem schwedischen Eisbrecher in den Arktischen Ozean aufgebrochen, um den dortigen Abschnitt des mittelozeanischen Rückens zu untersuchen, den Gakkelrücken. An diesem “Riss” in der ozeanischen Kruste quillt ständig Lava hervor und bildet mit einer Rate von jährlich 6 bis 14 Millimetern neuen Meeresboden. Der Prozess wird von kleineren Erdbeben begleitet und sollte insgesamt relativ unspektakulär ablaufen, so frühere Ansichten über den Gakkelrücken.
Dann wurde im Jahr 1999 eine Serie von einigen Hundert starken Erdbeben in der Region registriert. Und zwei Jahre später konnte Schlindwein mit Sensoren, die auf Eisschollen installiert worden waren, Knallgeräusche vom Gakkelrücken registrieren. “Das war eine seltene Zufallsaufzeichnung einer submarinen Explosion in unmittelbarer Nähe”, so die Forscherin. Zwar sei dies ein deutlicher Hinweis auf vulkanische Aktivität gewesen. “Dass die aufgezeichneten Knallgeräusche aber von aktuellen vulkanischen Explosionen stammen könnten, hatte ich aufgrund der Wassertiefe von 4 Kilometern für wenig wahrscheinlich gehalten.” Nun sehe sie das anders.
Forschung: Robert A. Reves-Sohn und Adam Soule, Woods Hole Oceanographic Institution, Woods Hole, Massachusetts; Ulf Hedman, Swedish Polar Secretariat, Stockholm; Vera Schlindwein und Maria Tausenfreund, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven; und andere
Veröffentlichung Nature, Vol. 453, pp 1236-8, DOI 10.1038/nature07075
WWW:
Woods Hole Oceanographic Institution
- Expedition 11: Gakkel Ridge
Alfred-Wegener-Institut
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