Posted in: Genetik, Medizin 19. Juni 2008 20:00 Weiter lesen →

Bakterien sabotieren Immunsystem

Colorierte Raster-EM-Aufnahme zeigt rötliche, wurstförmige Zellen auf einer unregelmäßig geformten, bläulichen Unterlage Amerikanische Forscher haben einen neuen Mechanismus entdeckt, der Bakterien den Angriff auf den Körper erleichtert. Wie sie im Magazin „Science“ berichten, blockiert ein relativ einfaches, von Pseudomonaden produziertes Molekül einen wichtigen Signalweg des angeborenen Immunsystems und verhindert so dessen Aktivierung.

Das von Pseudomonas aeruginosa abgegebene Molekül scheint eine Doppelfunktion zu erfüllen – innerartliche Koordination (Quorum Sensing) und Sabotage der angeborenen Abwehr. REM-Aufnahme: CDC/Janice Haney Carr

Diese Strategie könnte opportunistischen Bakterien „das Etablieren und Aufrechterhalten einer örtlich begrenzten Infektion ermöglichen“, schreiben Richard Ulevitch vom Scripps Research Institute. Solche Bakterien, allen voran Pseudomonas aeruginosa, sind dafür berüchtigt, dass sie Wunden infizieren und sich in den Lungen von Patienten mit Cystischer Fibrose festsetzen. Mit ihrem „Abwehrdämpfer“ könnten sie zugleich auch anderen Krankheitserregern die Ansiedlung im Körper erleichtern.

Zu den zahlreichen Abwehrlinien, die Keime im menschlichen Körper überwinden müssen, zählt das angeborene Immunsystem. Es erkennt beispielsweise Zellwandbestandteile, die bei vielen Bakterien vorkommen, und aktiviert daraufhin den Transkriptionsfaktor NF-kB. Dieser verändert die Aktivität zahlreicher Gene und löst damit eine Art Alarmzustand aus.

Eben dieser Effekt fällt jedoch deutlich schwächer als normal aus, wenn Fresszellen mit Pseudomonas aeruginosa konfrontiert werden, beobachteten Ulevitch und Kollegen. Die Ursache dafür fanden sie in einem kleinen Molekül, dass die Bakterien an ihre Umgebung abgeben, um sich gegenseitig in Angriffsstimmung zu versetzen. Offenbar bewirkt das als C12 oder PAI (Pseudomonas Autoinducer) bezeichnete Molekül aber noch mehr. Auf die Aktivität von Genen, die durch andere Transkriptionsfaktoren als NF-kB kontrolliert werden, scheint es allerdings keinen Einfluss zu haben.

Forschung: Vladimir V. Kravchenko, Gunnar F. Kaufmann und Richard J. Ulevitch, Department of Immunology and Microbial Sciences und Department of Chemistry, The Scripps Research Institute, La Jolla, Kalifornien; und andere

Online-Veröffentlichung Science, 19. Juni 2008, DOI 10.1126/science.1156499

WWW:
Immunology and Microbial Sciences, Scripps Research Institute
Innate Immunity
NF-kB
Pseudomonas aeruginosa

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