Wandelbare Riechkolben

17. Juni 2008 06:00 Drucken

Illustration zeigt einen Sagittalschnitt durch einen menschlichen Schädel, samt Rachen, Mundhöhle, Nase und Nasenhöhle, darin gelb markiert der Riechkolben und die zu ihm laufenden Fasern aus der Nasenschleimhaut Das menschliche Gehirn ist sehr viel wandelbarer als noch vor einigen Jahren angenommen. Neue Belege für diese Sichtweise hat eine Dresdner Medizinerin im Rahmen einer Pilotstudie mit 20 Patienten gefunden. Verbesserte sich deren Riechvermögen, legten auch ihre Riechkolben an Volumen zu.

Das von Nervenfasern durchzogene Siebbein trennt die Nasenhöhle vom Riechkolben. Bild: Patrick J. Lynch, medical illustrator, Creative Commons 2.5

Umgekehrt schrumpfte diese erste Umschaltstation für die Signale der Riechsinneszellen, wenn sich das Riechvermögen verschlechterte, beobachteten Antje Hähner und ihre Kollegen von der Technischen Universität Dresden. Vielleicht könne dieser Zusammenhang bei der Diagnose und Prognose von Riechstörungen helfen, schreibt die Gruppe im Fachblatt “Archives of Otolaryngology – Head & Neck Surgery”.

Für das eigentliche Riechen ist nur ein kleiner Schleimhautfleck am Dach der Nasenhöhle zuständig. Hier sitzen die Riechsinneszellen, deren Nervenausläufer durch feine Löcher in der Schädelbasis bis in die Riechkolben ziehen. Die Dresdner Forscher gingen nun Hinweisen aus früheren Studien nach, denen zufolge diese Hirnstrukturen auch im Erwachsenenalter ausgesprochen plastisch sind.

Dazu untersuchten sie 20 Patienten im Alter von 23 bis 76 Jahren, die aufgrund einer Verletzung oder Infektion an Riechvermögen eingebüßt hatten. Alle Studienteilnehmer absolvierten mehrere Riechtests, zudem wurde ihre Gehirnstruktur per Kernspintomographie kartiert. Nach durchschnittlich 15 Monaten wurden die Untersuchungen wiederholt.

Tatsächlich zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Funktion und Struktur: War die Empfindlichkeit ihrer Patienten gegenüber dem nach Rosen duftenden 2-Phenylethanol gestiegen bzw. gesunken, so waren auch die Riechkolben zwischenzeitlich etwas größer bzw. kleiner geworden. Treibender Faktor für die Veränderungen dürfte der stärker bzw. schwächer werdende Signalstrom von den Riechsinneszellen sein, vermuten Hähner und Kollegen.

Forschung: Antje Hähner, Antje Rodewald, Johannes C. Gerber und Thomas Hummel, Klinik für Neurologie, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Abteilung Neuroradiologie, Technische Universität Dresden

Veröffentlichung Archives of Otolaryngology – Head & Neck Surgery, Vol. 134(6), pp 621-4

WWW:
Interdisziplinäres Zentrum Riechen & Schmecken, TU Dresden
Das Riechsystem des Menschen

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