Evolutionäre Mimik
16. Juni 2008 15:55 Drucken
Auch die mimischen Fähigkeiten sind von der Evolution geformt. Entsprechende Belege haben britische und amerikanische Forscherinnen zusammengetragen. Zwar besteht eine große Variationsbreite hinsichtlich der Gesichtsmuskeln, die ein Mensch besitzt. Eine gewisse Mindestausstattung ist jedoch stets vorhanden und eröffnet damit ein Grundrepertoire an Gesichtsausdrücken.
Die Vielfalt der Gesichtsmuskeln ermöglicht sowohl standardisierte als auch sehr individuelle Gesichtsausdrücke. Bild: Vanderbilt University
Dieses Resultat unterstreiche die große Bedeutung der Mimik im alltäglichen Umgang mit anderen, erklärt Bridget Waller von der University of Portsmouth. “Sie erlaubt es uns, unser Verhalten mit dem anderer zu synchronisieren und einander besser zu verstehen.” Ähnlich wie die Sprache, könnte die Mimik auf diese Weise auch den sozialen Zusammenhalt festigen, beim Menschen ebenso wie bei anderen Primaten.
Waller und Kolleginnen führten systematische Studien an Leichnamen durch, um mehr über die Variabilität der Mimik und der zugrunde liegenden Muskulatur zu erfahren. Wie die Gruppe im Fachblatt “Emotion” berichtet, waren lediglich 5 von 19 Gesichtsmuskeln in allen Fällen eindeutig nachweisbar. Nach Ansicht der Forscherinnen sind sie im Laufe der Evolution unentbehrlich geworden, indem sie die mimischen Pendants zu Zorn, Glück, Überraschung, Angst, Trauer und Ekel ermöglichen.
Ganz anders die übrigen Gesichtsmuskeln, von denen einige in nur 60 Prozent der Fälle vorhanden waren. Dazu gehört etwa der Musculus risorius, der die Mundwinkel nach hinten zieht. Mitunter als Lachmuskel bezeichnet, dürfte er laut Waller vor allem das Zurschaustellen sehr starker Angst ermöglichen. Andere Muskeln wiederum sind zwar vorhanden, in der linken und rechten Gesichtshälfte aber unterschiedlich stark ausgebildet. Eine derartige Vielfalt sei von keiner anderen anatomischen Struktur bekannt, so die Forscherin weiter. Am ehesten vergleichbar sei der Fall eines Unterarmmuskels, der bei lediglich 15 Prozent der Bevölkerung vorkomme.
Forschung: Bridget M. Waller, Department of Psychology, University of Portsmouth; James J. Cray Jr. und Anne M. Burrows, Department of Physical Therapy, Duquesne University, Pittsburgh, Pennsylvania
Veröffentlichung Emotion, Vol. 8(3), pp 435-9
WWW:
Department of Psychology, University of Portsmouth
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