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Neue Bakterien aus Grönlandeis

3. Juni 2008 16:30

Satellitenaufnahme zeigt Südspitze Grönlands, tief eingeschnittene Meeresbuchten, nicht vollständig eisbedeckte Berge Amerikanische Forscherinnen haben eine neue Mikrobenart in gut 120.000 Jahre altem Gröndlandeis entdeckt. Die selbst für Bakterien ungewöhnlich kleinen Zellen haben die lange Zeit im Eis offenbar gut überstanden: Unter wohligen Laborbedingungen bilden sie glänzende, leuchtend orange gefärbte Kolonien.

Mit nur wenigen Grad Celsius unter Null ist es an der Unterseite des grönländischen Eispanzers meist deutlich wärmer als an der Oberfläche. Bild: NASA Johnson Space Center - Earth Sciences and Image Analysis

Jennifer Loveland-Curtze und ihre Kolleginnen von der Pennsylvania State University isolierten die Winzlinge aus Eis, das aus einer Tiefe von 3.042 Metern unter der Oberfläche des grönländischen Eisschildes erbohrt worden war. Wie sie auf einer Fachtagung in Boston berichten, scheint es sich um exotische Vertreter der Chryseobakterien zu handeln - einer in den verschiedensten Lebensräumen vorkommenden und mitunter auch als Krankheitserreger auftretenden Bakteriengattung.

Die Forscherinnen fahndeten in dem Eis nach Mikroben, die mit herkömmlichen Untersuchungsverfahren leicht übersehen werden. Dazu pressten sie das Schmelzwasser durch Filter mit lediglich 0,2 Mikrometer weiten Poren und analysierten dann nicht etwa den Rückstand, sondern das Filtrat. Lohn der Mühe waren Kulturen stäbchenförmiger Zellen, die kaum ein Zehntel der Größe des Darmbakteriums Escherichia coli erreichen. Des ungeachtet bilden sie winzige Knospen und geben reichlich organisches Material nach außen ab.

Auf Basis der Gestalt, der Stoffwechseleigenschaften und des Erbguts der Zellen beschreiben die Forscherinnen die neue Art Chryseobacterium greenlandensis. Es handelt sich um die zehnte, in Eisschilden bzw. Gletschern entdeckte Bakterienspezies. Nach Ansicht Loveland-Curtzes und ihrer Kolleginnen könnten Erkenntnisse darüber, wie diese Exoten mit dem knappen Nährstoffangebot, dem hohen Druck und den eisigen Temperaturen in ihrer Umwelt umgehen, auch bei der Suche nach Leben auf anderen Himmelskörpern helfen - beispielsweise auf dem eisigen Jupitermond Europa.

Forschung: Jennifer Loveland-Curtze, Vanya I. Miteva und Jean E. Brenchley, Department of Biochemistry and Molecular Biology, Pennsylvania State University, University Park

Präsentation auf dem 108th General Meeting of the American Society for Microbiology, Boston; #N-156

WWW:
Brenchley Lab, Pennsylvania State University
The GIPS2 Ice Coring Effort
Greenland Ice Sheet
Size Limits of Very Small Microorganisms
Jovian Moons, NASA Astrobiology

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Island: Etwas hat überlebt
Laue Luft auf Grönland

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