Gefühlskalt durch schlechte Hirn-Verbindung?
27. Mai 2008 12:55 Drucken
Wenn Menschen nicht in der Lage sind, Gefühle wahrzunehmen und auszuleben, könnte das an einem gestörten Informationsaustausch im Gehirn liegen. Entsprechende Resultate haben italienische und amerikanische Forscher bei einem Experiment mit 16 Probanden erhalten. Bei jenen, die besonders “gefühlskalt” waren, schienen Nervensignale weniger gut aus der einen Gehirnhälfte in die andere zu gelangen.
Der Balken ist das “Hauptkabel” zwischen den Gehirnhälften. Bild: X Compagnion, Wikimedia.org
Dieses Ergebnis stehe im Einklang mit mehr als 30 Jahre alten Beobachtungen an Split-Brain-Patienten, schreiben Vincenzo Romei von der römischen Universität La Sapienza und seine Kollegen im Fachblatt “Psychotherapy and Psychosomatics”. Bei Epilepsiepatienten, denen aufgrund schwerster Anfälle die Hauptverbindung zwischen linker und rechter Hirnhälfte durchtrennt worden sei, hätte sich mitunter ebenfalls eine gewisse emotionale Steifigkeit eingestellt.
Für das Phänomen wurde in jener Zeit der Begriff Alexithymie geprägt. Diese Wesensart kann derart stark ausgeprägt sein, dass sie das Zusammenleben mit anderen massiv beeinträchtigt. Darunter leiden auch die Betroffenen selbst - nicht zuletzt deshalb, weil sie das Agieren ihrer Mitmenschen nur schwer nachvollziehen können.
Romei und Kollegen ließen 300 Studierende einen Fragebogen ausfüllen, um den jeweiligen Alexithymie-Grad einzuschätzen. An je 8 Probanden mit besonders hohen bzw. niedrigen Werten führten sie dann eine transkranielle Magnetstimulation durch. Dabei wurde in einer Gehirnhälfte der für Bewegungen zuständige Teil der Großhirnrinde mit einem Magnetpuls gereizt. Den Effekt lasen die Forscher am Streckmuskel des kleinen Fingers ab.
Bei jenen Teilnehmern, die ihre Gefühle stark empfanden und auslebten, zeigte sich ein klarer Hemmeffekt: War dem eigentlichen Reizpuls um 10 bis 14 Millisekunden ein nur schwacher Puls in der jeweils anderen Gehirnhälfte vorausgegangen, stieg die Aktivität in dem zugehörigen Fingermuskel weniger stark an. Vermutlich hatten Nervensignale aus dem motorischen Kortex der einen Gehirnhälfte die “Reizbarkeit” des Pendants in der anderen Hirnhälfte reduziert. Bei Teilnehmern mit stärker ausgeprägter Alexithymie fiel dieser Hemmeffekt merklich schwächer aus, berichten die Forscher. Ihrer Ansicht nach deutet dieses Resultat darauf hin, dass die Informationsübertragung via Balken bei Personen mit Alexithymie weniger gut funktioniert.
Forschung: Vincenzo Romei und Mario Baertini, Dipartimento di Psicologia, Università degli Studi di Roma “La Sapienza,” Rom; und andere
Veröffentlichung Psychotherapy and Psychosomatics, Vol. 77(3), pp 175-81, DOI 10.1159/000119737
WWW:
Laboratorio di Psicofisiologia del Sonno, Uni Rom “La Sapienza”
Transkranielle Magnetstimulation
One Brain or Two?
Kein Gefühl nirgends
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“Verkabelung” der Gehirnhälften neu kartiert
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