Top

Gemeinsam zu Nichtrauchern

22. Mai 2008 |

Grafik zeigt aus bläulichen und vielen, unterschiedlich großen gelben Kugeln bestehendes Netzwerk Rauchen oder Nichtrauchen - das ist auch eine Frage des Umfeldes, haben zwei amerikanische Forscher anhand eines Netzwerks von mehreren Tausend Personen ermittelt. Hörte ein Individuum mit dem Rauchen auf, sank die Wahrscheinlichkeit, dass seine Freunde und Kollegen weiter rauchten.

Das Netzwerk von 1.000 zufällig ausgewählten Personen im Jahr 1971. Gelbe Knoten markieren Raucher, die Punktgröße spiegelt den täglichen Zigarettenkonsum wider. Grafik: James Fowler, UC San Diego

Der starke soziale Faktor habe sich umgekehrt auch bei den verbleibenden Rauchern gezeigt, erklärt James Fowler von der University of California in San Diego. “Betrachtet man das gesamte Netzwerk über einen Zeitraum von 30 Jahren, stellt man fest, dass die mittlere Größe der Rauchergruppen in etwa gleich bleibt. Allerdings werden die Rauchergruppen immer weniger.”

Fowler und sein Kollege Nicholas Christakis von der Harvard University analysierten Daten aus einer Studie zu den Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die seit 1948 in Framingham, Massachusetts, durchgeführt wird. Die Teilnehmer hatten unter anderem ihre Freunde und Verwandten aufgelistet. Anhand dieser Angaben verfolgten die beiden Forscher, wie sich die Beziehungsnetze von 5.124 Personen von 1971 bis 2003 veränderten.

Ähnliche Grafik wie oben, nun aber mit mehr blauen Nichtraucherkugeln als gelben Raucherkugeln, diese zudem stärker in Gruppen

Gut 30 Jahre später hat die Zahl der Raucher merklich abgenommen. Auch treten diese verstärkt gruppenweise auf. Grafik: James Fowler, UC San Diego

Entsprechend dem Trend in den gesamten Vereinigten Staaten, hörten auch in Framingham viele Einwohner mit dem Rauchen auf. Dabei zeigte sich ein starker Zusammenhang zwischen sozialer Nähe und Rauchen, berichten die beiden Forscher im “New England Journal of Medicine”. Hörte ein Ehepartner mit dem Rauchen auf, sank die Wahrscheinlichkeit, dass der andere weiter rauchte, um gut 67 Prozent. Bei Freunden machte sich der Effekt mit 36 Prozent bemerkbar, bei Kollegen in kleineren Unternehmen mit 34 Prozent und bei Geschwistern mit 25 Prozent.

Ganze Gruppen von Personen, die einander oft nur indirekt verbunden waren, hörten auf einen Schlag mit dem Rauchen auf, berichten die Forscher. Gleichzeitig beobachteten sie eine immer stärkere Trennung: Hatten sich die Einwohner Framinghams zu Beginn der 70er-Jahre gleichermaßen mit Rauchern und Nichtrauchern umgeben, bestanden ihre sozialen Netzwerke 30 Jahre später häufig überwiegend aus Rauchern oder aus Nichtrauchern. Zudem rückten die Raucher allmählich an den Rand des sozialen Netzwerks in der Stadt.

Einen ähnlichen Gruppeneffekt hatten Fowler und Christakis entdeckt, als sie die Verteilung von Fettleibigkeit unter den Einwohnern Framinghams studierten. Auch im Hinblick auf das Rauchen könnten sich Gesundheitskampagnen diesen Effekt zunutze machen, indem sie neben Individuen auch Gruppen ansprächen. Dabei dürfe man allerdings nicht den Fehler begehen, Raucher zu stigmatisieren, betont Fowler. “Wenn sich Raucher gemeinsam mit ihren rauchenden Freunden in einer Ecke verkriechen, wird das Aufhören für sie umso schwieriger.”

Forschung: Nicholas A. Christakis, Department of Healthcare Policy, Harvard Medical School, und Department of Sociology, Harvard University, Cambridge, Massachusetts, und James Fowler, Department of Political Science, University of California, San Diego

Veröffentlichung New England Journal of Medicine, Vol. 358(21), pp 2249-58

WWW:
James Fowler, UC San Diego
Nicholas Christakis, Harvard Medical School
Framingham Heart Study
Rauchfrei

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Übergewicht ist “ansteckend”
Rauchende Filmhelden verleiten zum Nachahmen

Bottom