Scienceticker Astro Scienceticker Umwelt

Krebslarve sucht Wirt

Dienstag, 20. Mai 2008, 6:00 • Rubrik Biologie.

Mikroskopaufnahme zeigt eine leicht bräunlich gefärbte Zellmasse im Innern eines Krebspanzers Der Lösung eines gut 120 Jahre alten Rätsels sind dänische und japanische Biologen ein Stück näher gekommen. Den Forschern gelang die Beobachtung eines weiteren Schritts im Lebenszyklus mysteriöser Krebslarven, zu denen bislang keine ausgewachsene Form bekannt ist. Das Resultat ihrer Arbeit erinnert an eine übergroße Amöbe und lässt vermuten, dass die Krebse als Parasiten in anderen Tieren leben.

Die Zellmasse verlässt schließlich den Panzer des vorherigen Larvenstadiums. Bild: Glenner et al./BMC Biology

Welche Tiere als Wirte in Frage kommen, sei derzeit noch unklar, räumen die Forscher um Jens Høeg von der Universität Kopenhagen ein. Da die rätselhaften “Y-Larven” in allen Weltmeeren in großer Artenvielfalt vorkämen, müssten die Parasiten allerdings eine wichtige ökologische Rolle spielen. Über ihre Beobachtungen berichten die Forscher im Fachblatt “BMC Biology”.

Die Y-Larven waren erstmals im Jahr 1887 von dem Kieler Meeresforscher Victor Hensen beschrieben worden. Allein anhand dieser Jugendstadien wurde die Krebsgruppe der Facetotecta aufgestellt, zu deren näherer Verwandtschaft beispielsweise die Seepocken gehören dürften. Die große Vielfalt der Y-Larven schmerzt Meeresforscher umso mehr, als sie über Gestalt und Lebensweise der ausgewachsenen Tiere bis heute nur spekulieren können.

Høeg und Kollegen gingen das Problem nun pragmatisch an. Sie gaben ein Hormon, das bei Krebsen die Häutung auslöst, in Behälter mit Y-Larven im am weitesten fortgeschrittenen Larvenstadium. Bei den an wenige Zehntel Millimeter große Garnelen erinnernden Larven stellte sich daraufhin eine bemerkenswerte Veränderung ein: Praktisch alle Gewebe bildeten sich zurück und der weiche Körper zog sich zu einer beweglichen Masse zusammen. Diese Masse, bezeichnet als Ypsigon, zwängte sich schließlich aus ihrem alten Panzer und robbte am Grund des Behälters umher.

“Die Muskulatur und die Komplexaugen, wie man sie bei ausgewachsenen Krebsen erwarten würde, waren stark zurückgebildet”, erläutern die Forscher. Auch hätten die Zellmassen nur Reste eines Darms besessen und ihre dünne Hülle nicht durch einen festen Panzer ersetzt. Diese Beobachtungen legten eine Lebensweise als Endoparasiten nahe, wie sie ähnlich auch die nahe verwandten Wurzelfußkrebse aufwiesen.

Forschung: Henrik Glenner und Jens T. Høeg, Department of Biology, Københavns Universitet; Mark J. Grygier, Lake Biwa Museum, Shiga; Yoshihisa Fujita, Department of Chemistry, Biology and Marine Science, University of the Ryukyus, Okinawa

Veröffentlichung BMC Biology

WWW:
Biologisk Institut, Københavns Universitet
Homepage Mark Grygier
Crustaceomorpha: Metamorphosis and Larvae
The Secret of Y-Larvae

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Wurm treibt Krebse in den Selbstmord


Möchten Sie den Beitrag bewerten?

SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading ... Loading ...

Empfehlen Sie den Text weiter! Empfehlen Sie den Text weiter!

Drucken Drucken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Copyright © 2011 by Stefan Jacobasch und Carsten Meinke (Impressum) | Template by Gabfire themes
Real Time Web Analytics