Mögliche “Musik-Gene” gefunden

19. Mai 2008 15:32 Drucken

Violinen in einem Orchester Wie musikalisch ein Mensch ist, hängt auch von seinen Genen ab, glauben finnische Forscher. Im Rahmen einer musikalischen und genetischen Musterung von 15 Familien fanden sie zumindest eine Erbgutregion, deren Varianten mit unterschiedlich stark ausgeprägter Musikalität einhergehen.

Foto: Robynrg/Stockxpert

In dieser Region gebe es mehrere Gene, deren Produkte beispielsweise an der Entwicklung und der Funktion des Gehirns beteiligt seien, berichtet die Gruppe um Irma Järvelä von der Universität Helsinki und Kai Karma von der Sibelius-Akademie Helsinki. Dieses Ergebnis stehe im Einklang mit der Beobachtung, dass Musik in allen Kulturen eine wichtige Rolle spiele und dass schon Neugeborene ein feines Gespür für ihre universellen Regeln hätten.

Die Genetiker und Musikwissenschaftler führten ihre Studie mit 234 Personen im Alter von 7 bis 88 Jahren durch, von denen viele zumindest Amateurmusiker waren. Alle wurden zunächst daraufhin getestet, wie gut sie Tonhöhen, Tonlängen und Tonmuster unterscheiden konnten. Dann fahndeten die Forscher in ihrem Erbgut nach 1.113, gleichmäßig über das Genom verteilten Markersequenzen. Unterschiede in einer einzigen Region auf dem Chromosom 4, die von zwei dieser Marker flankiert wird, können die Schwankungsbreite der Musikalitätswerte zu 48 Prozent erklären, schreibt die Gruppe im “Journal of Medical Genetics”.

In dieser Region liegen etwa 50 Gene, von denen eines den Forschern als besonders interessant erscheint. Es enthält die Information für ein Rezeptormolekül, das beim Wachstum der feinen Nervenausläufer während der Gehirnentwicklung eine Rolle spielt. Bemerkenswerterweise interagiere dieses Gen mit einem weiteren, das als möglicher Faktor bei Lese- und Rechtschreibschwäche gelte, so die Forscher. Ein potenzielles Dyslexie-Gen liege auch in einer weiteren Erbgutregion auf dem Chromosom 18, die ebenfalls mit der Musikalität in Verbindung stehen könnte. Beide Beobachtungen bekräftigten die Vermutung, dass Musik und Sprache einen gemeinsamen Ursprung hätten.

Forschung: Kristiina Pulli und Irma E. Järvelä, Department of Medical Genetics, University of Helsinki; Kai Karma, Sibelius-Akatemia, Helsinki; und andere

Veröffentlichung Journal of Medical Genetics, DOI 10.1136/jmg.2007.056366

WWW:
Department of Medical Genetics, University of Helsinki
Sibelius-Akatemia, Helsinki
Heritability
Music and the brain
Das Verstehen der Bedeutung von Musik

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