Leichter Aufstieg für Primaten
15. Mai 2008 20:00 Drucken
Für die Primaten war es ein Leichtes, sich in den Baumkronen breitzumachen, lassen Experimente einer amerikanischen Forscherin vermuten. Leichte und schwere Primaten müssen demnach ähnlich viel Energie aufwenden, um ein Kilogramm Körpermasse in die Höhe zu wuchten.
Für kleinere Primaten scheint es keinen Unterschied zu machen, ob sie einen Meter in der Vertikalen oder in der Horizontalen zurücklegen. Foto: David Haring/Duke University Lemur Center
Ganz anders dagegen die Verhältnisse beim Gehen, berichten Jandy Hanna von der Duke University und ihre Kollegen im Magazin “Science”. Hier sinkt der relative Energieaufwand mit der Körpermasse, sodass sich ein 60 Kilogramm schwerer Mensch am Boden gut zehnmal effizienter bewegt als ein 170 Gramm leichter Lori.
Diese Tatsache könnte den Ahnen der Primaten – Spitzhörnchen ähnelnden Tieren – den Weg in die Baumkronen erleichtert und die dortige Evolution typischer Primatenmerkmale begünstigt haben, erläutert Hannas Doktorvater Daniel Schmitt. “Diesen Schritt in eine reichhaltige Umgebung samt Insekten und Früchten könnten sie ohne zusätzliche energetische Kosten vollzogen haben.”
Hanna und Kollegen maßen den Sauerstoffverbrauch von Schlankloris, Plumploris, Fettschwanzmakis, Mongozmakis und Totenkopfäffchen, während diese nach Gutdünken ein Seil-Fließband emporkletterten. Pro Höhenmeter und Kilogramm Körpermasse wandten die Tiere demnach rund 120 Joule Stoffwechselenergie auf, entsprechend dem 12-Fachen des physikalischen Mindestwertes.
Den Energieumsatz im Gehen berechneten die Forscher dagegen anhand der Körpermasse. Zu ihrer Verblüffung zeigte sich, dass die kleineren Primaten beim Klettern und Gehen ähnlich viel Energie aufwenden müssen. “Eigentlich hatten wir erwartet, dass das Klettern für alle Arten energetisch kostspieliger sein würde als das Gehen”, so Hanna. Offenbar mache es für Primaten bis zu einer Masse von etwa 0,5 Kilogramm jedoch keinen Unterschied, ob sie einen Meter in der Horizontalen oder in der Vertikalen zurücklegten.
Forschung: Jandy B. Hanna, Daniel Schmitt und Timothy M. Griffin, Department of Biological Anthropology and Anatomy und Department of Surgery, Duke University, Durham, North Carolina
Veröffentlichung Science, Vol. 320, 16. Mai 2008, p 898, DOI 10.1126/science.1155504
WWW:
Animal Locomotion Lab, Duke University
Primates
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