Wie Bären stark bleiben
14. Mai 2008 16:21 Drucken
Bären erhalten sich einen großen Teil ihrer sprichwörtlichen Stärke, auch wenn sie monatelang ruhen. Ein Grund dafür scheint im Blut der Tiere zu liegen, haben spanische Mediziner entdeckt. Durch Zugabe von Blutplasma, das sie Braunbären während der Winterruhe abgenommen hatten, konnten sie den Muskelabbau im Laborversuch deutlich bremsen.
Foto: Mark Chappell
Blutplasma von Bären außerhalb der Winterruhe hatte dagegen keinen nennenswerten Effekt, berichten die Forscher um Josep Argilés von der Universitat Barcelona im Fachblatt “Clinical Nutrition”. Dieses Resultat stehe im Einklang mit der Hypothese, dass die Bären in der Ruhephase einen Faktor produzierten, der den Abbau von Muskelprotein effektiv hemme.
Die Identifizierung dieses Faktors könnte vielleicht einen neuen Weg zur Behandlung von Bettlägerigen, Astronauten und anderen Menschen mit Muskelschwund eröffnen, hofft Argilés. “In vielen Fällen findet sich der Schlüssel zur Behandlung einer Krankheit in der Natur selbst”, so der Forscher.
Wenn Menschen ihre Muskulatur über längere Zeit nicht beanspruchen, baut der Körper das in den Muskelzellen enthaltene Protein ab und auch die Zahl der Muskelzellen selbst sinkt. Dagegen büßen Braunbären (Ursus arctos) und andere Bären während der Winterruhe zwar Fett, jedoch wenig Muskelmasse ein. Eine denkbare Ursache ist das Vorhandensein eines Hemmstoffs, der den Proteinabbau gezielt blockiert. Argilés und Kollegen machten nun die Probe aufs Exempel und behandelten Rattenmuskeln mit Blutplasma, das sie Braunbären im Val d’Aran in den Pyrenäen entnommen hatten.
Gemessen an der Freisetzung von Aminosäuren aus den Muskelzellen, bewirkte Plasma schlafender Bären einen Rückgang des Netto-Proteinabbaus um 40 Prozent. Der Effekt scheint nicht allein auf der Hemmung bereits vorhandener “Proteinhäcksler” in Form von Lysosomen und Proteasomen zu beruhen, ermittelte die Gruppe. Auch die Neuproduktion dieser Maschinerie ging infolge der Behandlung zurück.
Forschung: Gemma Fuster, Sílvia Busquets, Vnessa Almendro, Francisco J. López-Soriano und Josep M. Argilés, Cancer Research Group, Departament de Bioquímica i Biologia Molecular, Universitat de Barcelona
Veröffentlichung Clinical Nutrition, Vol. 26(5), pp 658-61, DOI 10.1016/j.clnu.2007.07.003
WWW:
Homepage der Arbeitsgruppe
Braunbär
Leben auf Sparflamme
Das Proteasom
Aufbau des Muskels
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